Hohe Erwartungen an neuen Chef

20. September 2022, Salzburg

Drei Bewerber wurden zum Hearing eingeladen. Der neue Mann an der Spitze der Salzburg AG muss nicht nur die Energiekrise managen.

Wer folgt am 1. Jänner auf Leonhard Schitter als Generaldirektor der Salzburg AG? Die Mitglieder des Ausschusses für Vorstandsangelegenheiten mit Aufsichtsratschef Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) an der Spitze haben darauf Freitagabend eine Antwort gesucht. Aus 44 Bewerbern und Bewerberinnen waren drei Männer zum Hearing geladen. Ein Kandidat soll am Dienstag dem Aufsichtsrat als Schitter-Nachfolger vorgeschlagen werden. Die Bestellung dürfte dann nur noch Formsache sein.

Zwei Anwärter kommen aus der Salzburg AG. Finanzchef Friedrich Schliesselberger (57) hat langjährige Führungserfahrung vorzuweisen, er ist seit 2000 Prokurist. Ebenfalls auf der Shortlist des mit der Suche beauftragten Personalberatungsunternehmens findet sich Bernhard Sagmeister (48). Er ist seit März 2021 in der Salzburg AG für Marketing und Vertrieb zuständig und war zuvor für den Mobilfunkanbieter A1 und die ehemalige EMI Music in Köln tätig.

Auch ein externer Bewerber hat es in die engere Auswahl geschafft: Michael Baminger (38) ist seit Mai 2019 Vertriebschef der Energie AG, für die er seit 2007 arbeitet. Seine berufliche Herkunft sorgt für Spekulationen, zumal Schitter zu Jahresbeginn Werner Steinecker als Energie-AG-Generaldirektor beerbt.

Innerhalb der Salzburg AG sorgte die Auswahl mitunter für Verwunderung, galten doch Personalchef Sepp Resch, der Leiter des Energiehandels, Siegfried Müllegger, und der Chef der Netze-Tochter, Herwig Struber, als heiße Eisen. Alle drei sollen keine Bewerbung abgegeben haben. Fest steht: Der Neue übernimmt das Unternehmen inmitten der größten Energiekrise seit Jahrzehnten. Folglich sind die Erwartungen hoch. Laut Ausschreibung sucht man „ein Mitglied des Vorstands mit Fokus Unternehmenssteuerung und -entwicklung, Innovation und Vertrieb“.

Es müsse angesichts der Situation ein „absoluter Experte aus dem Bereich“ sein, der sich auch betriebswirtschaftlich auskenne, sagte Haslauer-Sprecher Christian Pucher. Der eingeschlagene Weg, die Transformation vom reinen Energieversorger hin zu einem digitalen Technologiekonzern, müsse fortgesetzt werden.

Qualifikation müsse sich vor Parteibuch durchsetzen, forderte FPÖ-Chefin Marlene Svazek. „Der neue Salzburg-AG-Chef braucht ein anderes soziales Profil, als es uns sein Vorgänger vorgemacht hat. Es braucht das Gespür, die Salzburg AG auch wieder zu einem sozial- statt profitorientierten Unternehmen zu entwickeln.“ Arbeiterkammer-Präsident Peter Eder nannte neben dem Energiesektor die Ausgliederung der Verkehrssparte als große offene Baustelle. Aus seiner Sicht wäre es in der gegenwärtigen Situation womöglich kontraproduktiv, „dass man jetzt jemanden holt, der sich einarbeiten muss“, meinte Eder. „Im Unternehmen gibt es gute Leute.“ Begehrlichkeiten gibt es auch auf der Arbeitgeberseite. „Die Erwartungen der Unternehmen sind natürlich groß. Die gesamte Wirtschaft erwartet stabile Energiepreise“, sagte Wirtschaftskammer-Chef Peter Buchmüller. Das Problem müsse auf europäischer Ebene gelöst werden. „Aber die Energiekonzerne sind schon auch in der Verantwortung.“

Salzburger Nachrichten

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