Wenig Wind: Anteil von Strom aus Erneuerbaren lag 2021 nur bei 71 Prozent

12. Oktober 2022

Mehr Kraftwerke lieferten weniger Strom / E-Control geht davon aus, dass Strompreise noch länger hoch bleiben

Stromwende. Obwohl die installierte Leistung der Ökostrom-Anlagen gestiegen ist, haben sie im vergangenen Jahr deutlich weniger Strom geliefert. Die installierte Leistung von Erneuerbaren hat sich im Jahresabstand um 1.003 Megawatt erhöht, doch ging die produzierte Strommenge gleichzeitig um 2.433 Gigawattstunden (GWh) zurück.

Diesen befremdlichen Befund zeigt der neue EAG-Monitoringbericht, der den bisher jährlichen Ökostrombericht ablöst. Konkret lieferte von 2020 auf 2021:
Windkraft um 12 Prozent weniger Strom.
Fotovoltaik um 13 Prozent mehr Strom.
Kleinwasserkraft um 25 Prozent weniger Strom,
feste Biomasse um 23 Prozent weniger Strom und
Biogas um 5 Prozent weniger Strom.

Tatsächlich ist die Erklärung für die verminderte Stromausbeute (außer bei der Fotovoltaik) auf die unbeständigen Rahmenbedingungen zurückzuführen. Fällt weniger Niederschlag, gibt es weniger Wasserkraft. In diesem Jahr, hatte der Netzbetreiber APG vor wenigen Tagen bekannt gegeben, hat aufgrund der Trockenheit die Wasserkraft in Österreich um 37 Prozent weniger Strom produziert. Gleiches gilt für die Windkraft – trotz eines Ausbaus der Windkraftanlagen gab es aufgrund der schwachen Windausbeute rund zehn Prozent weniger Strom.

Bei den Biomasse- und Biogasanlagen liegt die Erklärung in der geänderten Förderstruktur, durch die unwirtschaftliche Anlagen stillgelegt wurden.

So zeigt die Bilanz, dass rund 71 Prozent des Inlandsstromverbrauchs mit Ökostrom gedeckt wurde, ein Rückgang im Vergleich zum (Coronajahr) 2020 von etwa einem Prozentpunkt. Wobei im Ökostrombericht des Vorjahrs der Anteil des gesamten Ökostroms auf Basis des Verbrauchs im öffentlichen Netz inklusive des Pumpstroms berechnet. Das hatte 2020 einen Anteil von 81 Prozent ergeben. Nach dieser Berechnungsart ist dieser Wert 2021 bei 73 Prozent.

Der Plan ist, dass der Gesamtstromverbrauch im Jahr 2030 zu 100 Prozent aus Ökostrom gedeckt werden soll. Dazu soll das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz den Anreiz liefern, indem bis 2030 zusätzlich 27 Terawattstunden Strom aus erneuerbaren Quellen erzeugt werden.

Keine Förderung nötig

Derzeit ist der Strompreis am Markt so hoch, dass Strom aus erneuerbaren Anlagen keine Förderung braucht. „Das ist eine Hochpreisphase, die wohl noch eine Zeit lang andauern wird“, sagt E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch.

Einen erfreulichen Trend konnte der Energieregulator bei den erneuerbaren Energiegemeinschaften festmachen. Durch diese können sich Personen zusammenschließen und über Grundstücksgrenzen hinweg Energie produzieren, speichern, verbrauchen und verkaufen.

Ende September waren demnach insgesamt 92 Energiegemeinschaften registriert, – eine Zahl, die die Regulierungsbehörde „durchaus beachtlich“ findet. Der hohe Marktpreis stelle derzeit eine Hürde dar. Denn Erneuerbare‐Anlagen mit weniger als 500 kW Leistung könnten auch zum Marktpreis liefern, was Anlagenbetreiber auch tun, statt ihren Strom in einer Energiegemeinschaft zu teilen.

Kurier

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