Dieses Konsortium buhlt um die OMV

19. Oktober 2022

Öl- und Gasförderung. Norwegisches Unternehmen, Private-Equity-Funds und riesiger Commodity-Händler, Wert von E&P wird auf bis zu sieben Milliarden Dollar geschätzt

Seit Wochen wird gerätselt, welche Unternehmen dem norwegischen Konsortium angehören, das die Mehrheit an der Öl- und Gasproduktion (E&P) der OMV übernehmen will. Und das erklärt, die Versorgungssicherheit Österreichs mit Gas garantieren zu können.

Dem KURIER liegt das Schreiben über 3,5 Seiten und ohne Firmen-Briefkopf vom 25. Juli vor, das an Finanzminister Magnus Brunner ging. Zuvor erhielt OMV-Chef Alfred Stern ein Mail, aber von bescheidenerem Umfang.
Das Konsortium besteht aus vier Mitgliedern.

Als Kopf tritt der lang gediente norwegische Öl- und Gasmanager Sverre Skogen auf. Er ist derzeit CEO von Mime, einem jungen, winzigen Unternehmen in Norwegen mit einem Vorjahresumsatz von rund 35 Millionen Euro.
Aker ASA + DNO ist eine Holding, deren in Oslo börsenotierte Tochter Aker BP hat sechs Förder-Assets in Norwegen mit einer Gesamtproduktion von 650.000 Barrel pro Tag, ist somit etwas größer als die OMV.
Zusätzlich sind laut Schreiben „zwei solide Finanzinvestoren“ an Bord, mit viel Erfahrung in E&P. Das sind Bluewater, ein großer, internationaler Private-Equity-Fonds, der auf Energie spezialisiert ist, sowie Trafigura, einer der weltweit größten Commodity-Händler. Dieser international zweitgrößte unabhängige Öl- und Gashändler hat seinen Sitz in Singapur, Halbjahres-Umsatz 170,6 Milliarden Dollar. Der norwegische Teil des Konsortiums ist also nicht sehr groß, die Big Player sind Bluewater und Trafigura.

Das Konsortium schätzt die 51 Prozent am E&P-Bereich der OMV aufgrund einer Pre-Due-Diligence-Analyse von außen auf 5,5 bis sieben Milliarden Dollar. Der Wert sei allerdings angesichts der aktuellen Situation schwer einzuschätzen, wird eingeschränkt.

Nicht inkludiert ist die OMV-Tochter Petrom in Rumänien mit großen Gasvorkommen im Schwarzen Meer, der KURIER berichtete. Auch das Geschäft in Russland kann sich die OMV behalten. Die Beteiligung am Gasfeld Juschno Russkoje wurde wegen Unverkäuflichkeit mit einer Milliarde Euro wertberichtigt.

Gasversorgung

Über die künftige Gasversorgung Österreichs werden große Versprechen gemacht. Man könne, heißt es im Schreiben, im Gegenzug die Belieferung Österreichs mit Gas absichern. Darüber hinaus biete man eine strategische Kooperation mit dem österreichischen Staat an, dieser habe das Vorkaufsrecht auf Lieferungen aus allen künftigen Gasressoucen, welche die künftige, neu zu gründende OMV E&P entdecke und entwickle.

Wie genau die Absicherung von Österreich funktionieren soll, wird nicht erklärt. Um das Offert schmackhafter zu machen, wird auf den scharfen Käufer-Wettbewerb um Assets in Norwegen hingewiesen. Im Brief wird auch das Potenzial an Schiefergas in Österreich erwähnt.

Das Schreiben ist de facto kein richtiges Angebot, sondern nur eine Absichtserklärung. Diese trägt die Handschrift des OMV-Vize-CEO Johann Pleininger. Er dürfte im Hintergrund die Fäden gezogen haben. Pleininger ist im Vorstand für E&P zuständig, sein Vertrag wird wie berichtet nicht verlängert.

Die OMV hat inzwischen bekannt gegeben, dass sie wegen der Energiekrise ihre langfristige grüne Strategie anpassen und weiter in Gas investieren will. Warum also sollte die teilstaatliche OMV ihre Förderung in Europa, die Teil der kritischen Infrastruktur ist, an ein Konsortium mit einem Equity-Fonds und einem Commodity-Händler verkaufen, fragen Kritiker des Projekts. Beide Player sind schließlich auf Gewinnmaximierung ausgerichtet. Die Konsortialpartner könnten die Versorgungssicherheit garantieren, meinen Befürworter.

Die Staatsholding ÖBAG prüft im Auftrag von Finanzminister Magnus Brunner unter Mithilfe von McKinsey, wie Österreichs Gasversorgung unabhängig von Russland gesichert werden kann. Auch das Schreiben aus Oslo ist Teil dieser Prüfung. Ergebnisse sind nicht vor Jahresende zu erwarten.
andrea.hodoschek

Kurier

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