Der Reibach fließt an E-Werken vorbei

16. November 2022

Die eigenständigen Elektrizitätswerke in Osttirol haben den günstigsten Strompreis in Österreich. Kunden spüren die Teuerung am Markt nicht. Den Gemeindekraftwerken entgeht durch längerfristige Verträge der große Profit.

Die Tiwag ist durch die Lande gezogen und hat eingekauft – in den 1960er-Jahren. Zahlreiche eigenständige E-Werke gingen über den Ladentisch, auch in Osttirol. Zwei sind erhalten geblieben: das E-Werk Hopfgarten und das E-Werk Assling. Und die Bürger dieser beiden Gemeinden profitieren stark davon. Für Strom zahlen sie österreichweit gesehen den günstigsten Preis. 13 Cent inklusive aller Abgaben zahlen die 800 Abnehmer des E-Werks Assling für die Kilowattstunde Energie aus Wasserkraft. In Hopfgarten kaufen die 230 Kunden um 15,16 Cent brutto ein. Dazu kommt noch eine Jahrespauschale von 43 Euro.

Das sind Peanuts im Vergleich zu den Preisen, die die großen Versorger von ihren Abnehmern abknöpfen. Bei den E-Werken ist man weit weg von den aktuellen Marktpreisen. Auch bei den Einspeistarifen spielt es nicht Granada. Lieferverträge wurden schon vor ein, zwei Jahren abgeschlossen. Da schlagen sich die aktuellen Marktpreise ebenfalls nicht nieder.

Betrachtet man die Preise in Assling und Hopfgarten, so trifft die Teuerung die Kunden so gut wie gar nicht. Das bestätigen sowohl Franz Hopfgartner, Obmann des E-Werkes in der Defereggentaler Gemeinde, als auch Harald Stocker, der Geschäftsführer des E-Werks Assling. „Wir haben unsere eigene Preisgestaltung, was die reine Energie ohne Netz und Abgaben betrifft“, sagt Hopfgartner. Und er lässt wissen, dass man den Preis erhöht habe – von 4,8 Euro für reine Energie auf 6,8 Euro. Das sei immerhin ein Plus von 38 Prozent. Weh tue die Erhöhung aber nicht. Die Kunden des E-Werks Hopfgarten haben auch einen eigenen Heiztarif. Von 22 Uhr bis 6 Uhr Früh zahlen sie für die Stromheizung neun Cent brutto, der Tagestarif liegt bei zwölf Cent.

WasdieGewinne anbelangt, sind diese in Hopfgarten derzeit, im Gegensatz zu dem, was die großen Energieversorger verbuchen, nicht hoch. Aber das könnte sich verbessern. Hopfgartner: „Für 2024 haben wir unsere Erzeugung schon verkauft, an den Bestbieter, und dafür einen sehr guten Preis bekommen. Für uns als Einspeiser schaut die Zukunft gut aus.“

Auch im E-Werk Assling schöpft man keine großen Gewinne ab. „Sie explodieren bei uns nicht“, sagt Geschäftsführer Stocker. Er verweist auf die längerfristigen Verträge, die für das Einspeisen nicht den Rubel rollen lassen. Änderungen für die Kunden zeichnen sich aber ab. Im Laufe des Jahres 2022/23 soll es laut Stocker für die Abnehmer Anpassungen geben. Auch Assling verkauft schon die Energie für 2024 an den, der den besten Preis bietet. Dazu stellt der Geschäftsführer in Aussicht: „In Zukunft wird es auch für uns höhere Erträge geben, je nach Entwicklung des Marktes.“

Auch Gemeindekraftwerken vereiteln längerfristige Einspeisverträge höhere Margen. „Bis vor einem halben Jahr haben wir gutes Geld verdient“, sagt der Innervillgrater Bürgermeister Andreas Schett. Dort betreibt die Gemeinde ein Kraftwerk mit Wasser aus zwei Bächen. Doch im Herbst vergangenen Jahres, als noch niemand die weitere Entwicklung ahnte, wurden die Lieferverträge für 2022 und 2023 unterschrieben. Schett: „Aus damaliger Sicht war der Einspeistarif gut, was er jetzt nicht mehr ist.“ Der Bürgermeister ist trotzdem zufrieden. „Die Kraftwerke bringen eine schöne Einnahme für die Gemeinde.“ Da die Gemeinde kein eigenes Netz hat, haben die Innervillgrater als Stromabnehmer bei Großkonzernen nichts von den Werken.

Kleine Zeitung

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