Geplantem Koralm-Speicherkraftwerk blühen neue Hürden

17. November 2022, Graz/Deutschlandsberg

Die jahrelangen Bemühungen rund um ein geplantes Pumpspeicherkraftwerk auf der weststeirischen Koralm sind um eine Facette reicher: Wie Medien am Donnerstag berichteten, könnte das Natura-2000-Gebiet ausgeweitet werden. Das könnte für die Projektwerber eine weitere Hürde darstellen. Erst im Vorjahr hatte man eine positive Bescheinigung bei der Umweltverträglichkeitsprüfung erhalten, diese wurde aber beeinsprucht. Ein Baustart ist damit weiterhin nicht in Aussicht.

Seit 2013, fast ein Jahrzehnt lang, gibt es schon die Pläne auf der steirischen Seite der Koralm im Bezirk Deutschlandsberg. Ein Unterbecken und ein Oberbecken sollen errichtet werden. Der Unterspeicher soll im Talraum des Seebaches entstehen und einen Inhalt von 4,7 Mio. Kubikmetern Wasser aufweisen. Der Oberspeicher soll im Bereich zwischen Frauenkogel und Ochsenofen oberhalb der Glitzalm gebaut werden. Dieses Becken soll beim Stauziel 5,5 Mio. Kubikmeter Wasser fassen. Die Höhendifferenz zwischen beiden Seen soll rund 600 Meter betragen, das Krafthaus mit den Turbinen wäre im Berginneren vorgesehen. Die rund 800 Meter langen und etwa 90 Meter hohen Staumauern sollen keine Betonwände, sondern bepflanzte Naturdämme sein.

Doch von Anfang an war das Projekt umstritten. Zudem hatte die Europäische Kommission 2013 die Republik Österreich im Zuge eines Vertragsverletzungsverfahrens darauf hingewiesen, dass bestimmte Lebensraumtypen nicht ausreichend ausgewiesen sind. Die Kommission sah Nachnennungsbedarf – unter anderem im Gebiet Koralm-Possruck. Das Land Steiermark musste daher handeln.

2015, damals war noch FPÖ-Landesrat Gerhard Kurzmann zuständig, benannte die Steiermark das Gebiet Koralpe als Natura-2000-Gebiet, 2016 beschloss die EU-Kommission dessen Aufnahme. Sechs Jahre lang hatte man nun Zeit, um eine entsprechende neue Verordnung inklusive fachlich aktueller Daten auf den Weg zu bringen. Eine neuerliche Vegetationskartierung musste dafür durchgeführt werden. Dies mit dem Ergebnis, dass auch andere Schutzgüter in erheblichen Umfang hinzugekommen sind, so das Land zur APA. Darunter alpine Zwergstrauchheiden und lebende Hochmoore.

Der Verordnungsentwurf lag bis vergangenen Montag zur Begutachtung auf und Stellungnahmen konnten eingebracht werden. Diese sollen nun gesichtet und – wenn sie sinnvoll sind – eingearbeitet werden. Erst danach wird die Verordnung in Kraft treten. Die Projektwerber sehen aber laut Medienberichten schon jetzt neue Probleme dadurch auf sie zukommen.

Die Wirtschaftskammer Steiermark forderte am Donnerstag in einer Aussendung „ein klares Bekenntnis zu einem raschen Baubeginn“ vom Land Steiermark, denn das Projekt sei „für die Stromunabhängigkeit und Versorgungssicherheit der Steiermark unabdingbar“, so Kammerpräsident Josef Herk. Der Speicher würde mit einer Leistung von 1.000 Megawatt sowohl das derzeit größte Pumpspeicherkraftwerk Malta (730 Megawatt) übertreffen als auch insgesamt die bisher größte Kraftwerksanlage im österreichischen elektrischen Energiesystem darstellen.

APA

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