Erdgasbohrungen in Nationalparkort offenbar länger geplant

16. Jänner 2023, Molln

In Sachen Erdgasbohrungen in der oberösterreichischen Nationalparkgemeinde Molln (Bezirk Kirchdorf) hat am Montag das ausführende heimische Unternehmen ADX Vie GmbH betont, dass es seit April 2022 im Besitz der für das Projekt nötigen Aufsuchungslizenz sei, aber keine Bohr- und Förderlizenz besitze. „Es gibt auch bereits Verträge mit dem Grundstückseigentümer, eine Probebohrung ist in Planung“, hieß es in der Presseaussendung.

Alle Aktivitäten würden im Einklang mit dem österreichischen Umwelt- und Montangesetzen erfolgen, die zu den strengsten auf der Welt zählten, beteuerte das Unternehmen, das eine 100-prozentige Tochter der in Australien börsennotierten ADX Energy Ltd mit Hauptsitz in Perth ist. „Es ist wichtig festzuhalten, dass die Berichte über mögliche große Gasvorkommen von Annahmen (Prospects) ausgehen, keinesfalls aber als sicher gelten können“, hieß es weiter. Erst nach erfolgter Probebohrung könne darüber informiert werden, ob es im Gemeindegebiet Molln überhaupt ein Gasvorkommen gebe und daraufhin bei der Montanbehörde ein Bewilligungsantrag zur Nutzbarmachung eingereicht werden soll.

Es gebe keine Pläne in einem Naturschutzgebiet zu bohren, strich das Unternehmen heraus. Die geplante Bohrstelle liege exakt 2.250 Meter von der Nationalparkgrenze entfernt und nur etwa 20 Meter vom Naturschutzgebiet Jaidhaustal, hieß es vom Nationalpark Kalkalpen, wo man aus den Medien von dem Vorhaben erfuhr.

Den Wünschen des Mollner Bürgermeisters Andreas Rußmann (SPÖ) nach mehr und vertiefenden Informationen wolle man in den kommenden Tagen nachkommen, so ADX. Die Firma verwies auch auf die Erklärung von Bundesministerin Leonore Gewessler (Grüne) in der ORF-Nachrichtensendung „ZiB2“ vom Sonntagabend, derzufolge nichts gegen eine Gasförderung in Österreich spreche, wenn sie zeitnah erfolge. Gewessler sagte, wenn das Projekt jetzt in der aktuellen Energiekrise einen Beitrag leisten könne, sei sie dafür, dass man es prüfe. Bei einem möglichen Beitrag erst in den 2030er-Jahren sei es nicht mehr sinnvoll. „Weil in den 30er-Jahren muss man ausgestiegen sein aus fossilem Gas.“ Die Nähe zum Nationalpark Kalkalpen sei auch ein Faktor, das werde in einer UVP-Verfahren zu prüfen sein.

Für den oberösterreichischen Umweltlandesrat Stefan Kaineder (Grüne) führe eine Realisierung des Projekts zur „skurrilen Situation“, dass ausgerechnet in der „Naturperle Oberösterreichs nach Gas gebohrt wird, das das Klima kaputt macht“. Keinen Grund zur Aufregung sah der für den Naturschutz zuständige LHStv. Manfred Haimbuchner (FPÖ). Von den Bodenschätzen zu wissen sei „etwas sehr Positives“. Diese Möglichkeit abzulehnen in der Annahme, dass man die Ressourcen in wenigen Jahren nicht mehr brauche, „halte ich für kurzsichtig und unverantwortlich“, so Haimbuchner. Die Abteilung für Naturschutz solle in Erfahrung bringen, ob Schutzgüter durch die Bohrungen beeinträchtigt sein könnten, und eine fachliche Beurteilung einleiten, wozu aber noch Detailinformationen beschafft werden müssten.

ADX Energy Ltd rechnet mit einer Gasfeldgröße von 22 Milliarden Kubikmetern, geht aus einer auf deren Website veröffentlichten Mitteilung hervor. Zum Vergleich: Österreich verbraucht pro Jahr rund 8,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas. Die Wahrscheinlichkeit, dass dort wirklich Erdgas in dieser Größenordnung liegt, schätzt der Erdölgeologe Reinhard Sachsenhofer von der Montanuniversität Leoben auf maximal 20 Prozent, berichtete das Ö1-„Mittagsjournal“ des ORF-Radios am Montag. In dem Dokument ist auch eine kanadische Energiefinanzierungs- und -entwicklungsgruppe genannt, die die Bohrung zu 50 Prozent finanzieren wolle, um eine 20-prozentige Beteiligung am Gebiet „Welchau“ zu erhalten. Die Bohrplatzkosten für „Welchau-1“ wurden mit 3,8 Mio. Euro beziffert.

Das Projekt war erst am Wochenende medial bekanntgeworden, nachdem ein Umweltschützer aus Molln zufällig auf die Website von ADX Energy Ltd gestoßen war. Bürgermeister Rußmann kritisiert mangelnde Information der Bevölkerung und befürchtet negative Auswirkungen auf die Umwelt. Er habe kurz vor Weihnachten von einem Mitarbeiter des Speicher-Unternehmens RAG nur eine knappe Erstinformation bekommen. Auf die Größenordnung sei erst der Umweltaktivist gestoßen. Bei der RAG hieß es am Montag, man sei nicht involviert – mit der Ausnahme, dass ein RAG-Mitarbeiter ADX bei der Grundstückssuche als Dienstleister unterstützt habe.

Die Gemeinde sei „nicht grundsätzlich gegen das Projekt“, aber es müssten einmal alle Fakten auf den Tisch, kann sich der Ortschef des Eindrucks nicht erwehren, dass man „die Bevölkerung so wenig und so spät wie möglich“ informieren wolle. Rückendeckung erhält er von seinem Landesparteichef Michael Lindner, der die Interessen der Gemeindebürger und des Naturschutzes sichergestellt wissen will und vor einem Szenario warnt, dass „ein australischer Konzern österreichisches Gas mit hohen Gewinnen an Österreich zurück oder ins Ausland weiterverkauft“.

ADX ist nach eigenen Angaben eine der wenigen Firmen in Österreich, die das Know-how sowie Lizenzen für eine Erschließung und Förderung von Erdöl und Erdgas sowie die unterirdische Speicherung von Gas besitzt. Erdöl- und Erdgas-Lagerstätten der ADX befinden sich im Großraum Zistersdorf und in Oberösterreich in der Gemeinde Waldneukirchen. 2021 wurde ein Erdöl-„Aufschlussprojekt“ in Anshof durchgeführt, wie ein Blick in den Online-Katalog der geologischen Bundesanstalt zeigt.

APA

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