Klagenfurt baut für Energiewende um

8. Feber 2023

Stadtwerke-Chef Erwin Smole: Kapazität des Stromnetzes in Klagenfurt muss verfünffacht werden. Der Strompreis wird im Mai auf voraussichtlich über 30 Cent/kWh erhöht.

Die Klagenfurter Stadtwerke (STW AG) rüsten sich für ihre bisher größte Investition. Nicht das Hallenbad – mit einem Kostenvolumen von 50 Millionen Euro – ist gemeint, sondern der Ausbau des Stromnetzes. Satte 400 Millionen Euro müssen bis 2030 in die Klagenfurter Stromleitungen fließen, um die Kapazität der Leitungen zu verfünffachen, sagt Vorstand Erwin Smole. „Derzeit beträgt die Netzkapazität rund 100 Megawatt, wenn wir die Ziele der Energiewende umlegen, brauchen wir zusätzlich 440 Megawatt Kapazität.“ Man befinde sich in Diskussionen mit dem Regulator, um auch investieren zu dürfen. „Wir müssen dafür finanzierungsfähig werden.“ Damit kommt auch eine Vielzahl neuer Baustellen auf die Klagenfurter und Pendler zu, denn über 70 Prozent der Klagenfurter Stromleitungen sind verkabelt, das schraubt zudem die Kosten in die Höhe.

Forciert werden soll auch die Stromerzeugung – Schwerpunkt sei der Ausbau der Photovoltaik. „Wir exportieren jetzt das Geschäftsmodell des Dachstroms auch in andere Städte“, kündigt Smole an. Im Rahmen des PV-Programms wurden in den vergangenen zwei Jahren acht Megawatt Leistung neu installiert, weitere Aufträge in diesem Ausmaß seien vorhanden. Auch Biogas werde ausgebaut, das Tempo beim Ausbau der Fernwärme verdoppelt, sagt Smole. Und die Stadtwerke wollen Beteiligungen bei Windparks eingehen. „Noch machen wir es nicht, weil der Markt ungünstig ist. Wir dürfen aber den Zug nicht verpassen.“

Smole appelliert, dass wenig produktive Böden auch in Kärnten für Flächen-PV ausgewiesen werden. „Es kann nicht jede Fläche eine Naturschutzfläche sein.“ Große PV-Anlagen mit 20 und mehr Hektar seien bereits „in der Pipeline“, für den Fall, dass sie erlaubt würden. Smole rechnet damit in „spätestens zwei, drei Jahren“.

Ihre Bilanz für 2022 legen die Stadtwerke erst im Mai. Bekannt ist bereits, dass die Stadtwerke eine Dividende von fünf Millionen Euro an die Stadt zahlen wollen. Der Umsatz wurde aufgrund der hohen Energiepreise massiv gesteigert. Smole: „Wir gehen als Konzern Richtung eine halbe Milliarde Euro Umsatz.“ Das entspräche einer Verdoppelung. Man habe zudem „die Hausaufgaben gemacht“, die Organisation wurde effizienter: „Diese Marschrichtung gehen wir weiter. Da ist noch viel Geld zu holen.“ Dabei gehe es „nicht um Personaleinsparungen, sondern um produktivere Prozesse“.
Im Mai werden die Strompreise erhöht, kündigt Smole an. Man warte aber noch ab, die Großhandelspreise sind deutlich gesunken. Dennoch ist von einer Verdoppelung der Endkundenpreise auszugehen. Im Herbst meinte Smole noch, der Preis für eine Kilowattstunde (kWh) für Bestandskunden werde von 17 Cent auf 40 bis 50 Cent angehoben. „Ich wäre heilfroh gewesen, einen Vierer vorne zu schaffen.“ Nun werde der Preis voraussichtlich unter 40 Cent liegen. Der Sprung bleibe natürlich erheblich, die Belastung für die Haushalte enorm.

Dass es trotz sinkender Energiepreise im Großhandel zur Anhebung der Endkundenpreise komme, erklärt er mit dem teuren Stromeinkauf 2022. „Einen Teil können wir jetzt am Spotmarkt günstiger zukaufen.“ Im April werde man wissen, wie hoch die Preise tatsächlich ausfallen. „Ziemlich sicher“ könne man 2024 die Preise wieder senken, da dann die aktuell günstigeren Einkaufspreise an Kunden weitergegeben würden. Die Neukundenakquise von Stromkunden will Smole wieder aufnehmen, auch unter der Marke Pullstrom. Der Markt für den Stromanbieterwechsel sei noch „erstarrt“. Derzeit beträgt der Neukundentarif 38 Cent.

Wie Kärnten Netz melden auch die Stadtwerke einen kräftig sinkenden Stromverbrauch 2022 – um drei bis vier Prozent, sagt Smole. Grund sei der sparsamere Umgang mit Strom und die erhöhte Deckung des Eigenbedarfs durch PV-Anlagen.

Ob der geplante Wechsel in der Busflotte der Stadtwerke von Diesel- zu E-Bussen zustande kommt, hänge von den Förderungen ab, sagt Smole. Die Finanzierung muss gegeben sein, „sonst geht das nicht“. Aktuell werde um diese noch gerungen, der Großteil der Kosten – 120 Millionen – sei durch EU-Förderungen abgesichert. „Es geht um die letzten 10 bis 20 Millionen Euro.“ 88 Busse würden angekauft, bei Umsetzung des 10-Minuten-Taktes wären es 110 Busse. Ab 2027 würden dann die ersten E-Busse fahren, die Umstellung werde bis 2032 abgeschlossen sein. Die E-Busse könnten die geforderten 300 Kilometer pro Tag – die maximale Streckenlänge – absolvieren. „Wir konfigurieren die Strecken so, dass Nachladen möglich ist.“ Acht Jahre sei ein Bus im Schnitt im Einsatz. „Dann ist es durchaus möglich, dass wir auf Wasserstoff wechseln.“

Kleine Zeitung

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