Energiewende sorgt für Run auf die Berater

15. September 2023, Wien

Der Boom bei Heizungstausch und Photovoltaik fordert auch Beratungsstellen und Fachleute. Es kommt noch mehr auf sie zu.

5600 Mal sind die Experten der Energieberatungsstelle Salzburg voriges Jahr ausgerückt, um Haus- oder Wohnungsinhaber bei der Entscheidung über ein neues Heizsystem, eine Photovoltaikanlage und Dämmungsmaßnahmen zu unterstützen oder um einen Energieausweis auszustellen. Bis zu drei Monate konnte es dauern, bis ein Termin frei war. 2021 gab es rund 3000 Beratungen, 2020 nicht einmal 2000. Um der – von gestiegenen Energiepreisen und Klimasorgen getriebenen – Nachfrage Herr zu werden, hat die die Landesstelle ihr Team mittlerweile um gut ein Viertel auf 50 Beraterinnen und Berater aufgestockt. Dazu kommt ein Dutzend weiterer in der Salzburg AG selbst, die bei Energiesparfragen ebenfalls weiterhelfen können.

Der Run auf die Landesberatungsstelle war kein Salzburger Spezifikum. In Vorarlberg betrug die Wartezeit bis zu sechs Monate, das Burgenland baut seine Anlaufstelle erst auf. Insgesamt gab es im Vorjahr 75.000 Beratungen. Dass der Bereich boomt, merkt auch die Arge Energieberater, die viele Experten in ihren Kursen ausbildet. Auch dort übersteigt die Nachfrage mittlerweile das Angebot, wie Reinhard Katzengruber, Energieberater in Kärnten und Vizeobmann des Verbands, erzählt. Und das, obwohl sich die Zahl der Kursplätze binnen fünf Jahren auf 200 verdoppelt hat.

Beratungsengpässe gebe es derzeit nicht mehr, sagt Katzengruber, die Nachfrage werde aber hoch bleiben. Befördert wird sie noch per Gesetz, weil für bestimmte Förderungen ein Energieausweis oder sonstiger Nachweis eines zertifizierten Energieberaters nötig ist. Für ärmere Haushalte, die etwa beim Heizkesseltausch bis zu 100 Prozent der Kosten ersetzt bekommen, gibt es eigene Beratungsvorschriften.

Wer zertifiziert wird, entscheidet jedes Bundesland selbst. Die Folge sind unterschiedliche Systeme, die von Vollzeitberatern und -beraterinnen bis zu Architekten, Installateuren, Bauingenieuren oder FH-Absolventen reichen, die eine Zusatzqualifikation erwerben. Ziel der Ausbildung sei, Immobilienbesitzern einen produktneutralen Überblick zu geben, welche Maßnahmen in welcher Reihenfolge sinnvoll seien, betont Katzengruber: „Das ist der Unterschied zu jemandem, der nur eine Heizung oder PV-Anlage verkaufen will.“


Das neue Energieeffizienzgesetz verpflichtet auch Versorger, Beratungsstellen einzurichten. „Es wird sich zeigen, wie es die Versorger machen, Standards gibt es nicht“, sagt Harald Proidl, Leiter der Abteilung Ökoenergie und Energieeffizienz in der E-Control. Größere Lieferanten haben sie schon – siehe die Salzburg AG, die auch mit der Landesstelle kooperiert und sehr aktiv ist, wie Sprecher Michael Frostel betont. Die E-Control ist seit Juni für das Monitoring der künftigen Effizienzgewinne zuständig und prüft die Qualifikation der Energiedienstleister, die alle vier Jahre Betriebe kontrollieren. Wer Energieaudits durchführen darf, hat sie vorige Woche in einer Verordnung festgelegt, mit einem Punktesystem aus Ausbildung und Praxis. Wie viele es sein werden, ist unklar. Jedenfalls werde der Bedarf an Energieexperten steigen, ist Georg Benke, Chef des Ingenieurbüros e7, überzeugt. Denn mit der neuen EU-Effizienzrichtlinie würden 30 bis 40 Prozent mehr Betriebe Audits brauchen, wie auch öffentliche Einrichtungen.

von Monika Graf

Salzburger Nachrichten

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