Batteriespeicher in Kärnten zur Netz-Dezentralisierung

18. Dezember 2023, Arnoldstein/Bled/Wien
Die Anlage in Arnoldstein
 - Arnoldstein, APA/NGEN GMBH

Effiziente Methoden zur Speicherung von Strom sind für die Energiewende von großer Bedeutung. Spannungsspitzen, die das Netz in Zeiten hoher Produktion belasten, können von Speicherkraftwerken abgefedert werden. Diese liefern wiederum Strom, wenn wenig produziert wird. Die slowenische Firma NGEN hat in Arnoldstein bei Villach Österreichs ersten Batteriespeicher errichtet. Für CEO Roman Bernard ist die weitere Dezentralisierung der Energiebereitstellung dringend notwendig.

Arnoldstein ist vielen Österreichern wohl als jener Grenzort bekannt, bei dem man das Land auf dem Weg Richtung Italien verlässt. Zweigt man vor dem Grenzübertritt jedoch ins Gailtal ab, führt einen die Bundesstraße am neuen Batteriespeicher der Firma NGEN vorbei. Es ist der erste dieser Art in Österreich. Die acht Tesla-Megapacks, also Großakkumulatoren, besitzen eine Gesamtkapazität von 10,3 Megawatt und 20,6 Megawattstunden und haben laut dem Unternehmen einen Wirkungsgrad von rund 90 Prozent. 15 Millionen Euro hat die Anlage gekostet, und sie soll noch ausgebaut werden. Laut den Betreibern soll diese Technologie die Dezentralisierung des Energiemarkts vorantreiben. Das slowenische Unternehmen betreibt bereits Batteriespeicher in Slowenien und plant weitere in Portugal, Spanien, Italien, Kroatien, Deutschland, Polen sowie im Bundesland Salzburg. „Wir denken europäisch“, sagt Co-Gründer und CEO Bernard, denn die Energiewende könne nur auf dieser Ebene passieren. NGEN, das steht für „next generation“, wurde von Bernard gemeinsam mit einem Kollegen vor vier Jahren gegründet, heute hat das Start-up 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Der nun im Arnoldsteiner Industriegebiet aufgestellte Batteriespeicher hätte ursprünglich in Klagenfurt, mitten in einem Wohngebiet, gebaut werden sollen, doch da gab es Bedenken aus der Bevölkerung – unter anderem wegen der Brandgefahr. Diesen Standort habe Bernard aber ohnehin nicht optimal gefunden. Er sei mit Arnoldstein glücklicher, denn da passe es besser hin. Dennoch seien in Zukunft auch in Städten Batteriespeicher unumgänglich, betonte er und fügte hinzu, dass die Gefahr von unlöschbaren Bränden mit giftigen Dämpfen mit der neuen Batterie-Generation aus Lithium-Eisenphosphat-Akkus nicht mehr gegeben sei. Man könne diese im Fall eines Brands einfach mit Wasser löschen. In Arnoldstein habe man der örtlichen Feuerwehr eine Einschulung gegeben.

Bernard ist der Überzeugung, dass Monopole am Strommarkt aufgebrochen werden müssen. „Als ich mit NGEN begonnen habe, sagte ich, dass das in Zukunft einen großen Impact auf dem Energiesektor gegenüber den Monopolen haben wird“, so der Slowene, der oft zwischen der Firmenzentrale in Bled und der Kärntner Zentrale in Klagenfurt hin- und herpendelt. „Wir wissen, wir werden nicht alleine bleiben, wir werden den Markt motivieren“, ist er sich sicher und ebenso, dass die Dezentralisierung in Zukunft zu niedrigeren Strompreisen führen werde. Er schätzt dennoch, dass es bis dahin auch bei großen Bemühungen noch ein weiter Weg ist: „Das wird noch 20 Jahre dauern, aber wir müssen das machen.“

Für den Kärntner Energieriesen Kelag werden laut dem Unternehmenssprecher Batteriespeicher in den verschiedenen Größen „selbstverständlich“ in Zukunft eine Rolle spielen. „Dazu gehören Batteriespeicher mit einer PV-Anlage im privaten Haushalt, das Lade- und Entlademanagement von E-Fahrzeugen und große Batteriespeicher, die an bestimmten Netzpunkten errichtet werden“, so die Kelag. Zudem sollen auch Pumpspeicherkraftwerke optimiert und ausgebaut werden. Diese seien für den Energieversorger „die wirtschaftlichste Art, Strom im großen Stil zu speichern“. Die Kelag verfüge über eine Vielzahl von Speichern und Kraftwerken, der Wirkungsgrad für eine Umwälzung würde etwa 80 Prozent betragen. Die Dezentralisierung habe in Kärnten vor dem PV-Boom mit ein paar hundert Kleinwasserkraftwerken einen Anfang genommen und sei mit derzeit 27.000 PV-Anlagen und den dazugehörigen Speichern im Gang. Was es derzeit nicht gebe, sei deren zentrale Steuerung, dafür fehle eine Reihe von Voraussetzungen rechtlicher und auch IT-technischer Natur.

Um dieses Manko will sich das slowenische Energie-Start-up nun kümmern. NGEN möchte seine großen Batteriespeicher mit mehreren kleinen aus Privathaushalten verbinden. „Die größte Batterie des Landes können jene in unseren Häusern sein“, so Bernards Vision. Dazu soll das Service „Smart-Grid-Connect“ dienen, das Verbraucher, die über einen Smart Meter verfügen, mit dem virtuellen Netz verbindet. So sollen private PV-Anlagen und Batteriespeicher zu einem dezentralen Netz zusammengeschlossen werden. Mittels einer smarten Logistik soll dann für eine gleichmäßige Auslastung und damit für eine Stabilisierung des Stromnetzes gesorgt werden. „Ohne diese Art von Lösung wird es keine Energiewende geben können“, ist sich Bernard sicher. Er sieht in der Dezentralisierung der Energiebereitstellung einen notwendigen Schritt und zudem eine große Chance für neue Märkte und zu einer dynamischen Preisgestaltung.

Bis 2030 soll der heimische Strombedarf zu 100 Prozent mit grüner Energie gedeckt werden, 2022 stammten laut Österreichs E-Wirtschaft bereits 79,1 Prozent aus erneuerbaren Quellen. Dass es zur Erreichung dieses Zieles Lösungen auf allen Ebenen braucht, liegt auf der Hand. Die Speicherung von Energie ist wohl ein Schlüsselfaktor auf diesem Weg.

APA

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