Drei CO2-Szenarien bis 2040: Wie netto null erreichbar ist

2. Feber 2024, Wien

Klimaziele. Ist das Netto-null-Ziel bis 2040 realistisch? Wissenschaftler der Uni Graz und der WU Wien zeigen, wie es möglich ist.

„Wenn man von Klimazielen redet, hört man oft: Unmöglich!“, meint Karl Steininger, Professor am Wegener Center an der Universität Graz. Das Gegenteil sei der Fall, meint er weiter, und nennt als Beispiel eine Papierfabrik in der Obersteiermark, die auf erneuerbare Energie umgestellt hat. „Inbetriebnahme der Anlage war März 2022, ein paar Wochen, nachdem der Krieg in der Ukraine begonnen hatte“ Mitbewerber haben in dieser Zeit den Betrieb eingestellt oder kämpften mit explodierenden Energiepreisen.

Der geschilderte Einzelfall – Unabhängigkeit – ist in einer klimaneutralen Welt Normalität. Dies haben Wissenschaftler-Teams um Steininger und Sigrid Stagl (Professorin an der Wirtschaftsuniversität Wien) analysiert. Die Ausgangsfrage – „Ist das Ziel, bis 2040 die Emissionen auf netto null zu reduzieren, realistisch?“ – kann jedenfalls bejaht werden.
Steininger und Stagl haben drei Szenarien durchgespielt: Das erste ist technologieorientiert und energieintensiv. In Szenario zwei gibt es strukturellen Wandel in Industrie, Kreislaufwirtschaft und Verhaltensänderungen, Szenario drei baut auf dem zweiten auf und betont Aspekte der sozialen Gerechtigkeit, etwa durch eine „luxusorientierte CO2-Steuer“, unter anderem bei Flügen.

Alle Szenarien seien, so die Wissenschaftler, erreichbar und haben positive wirtschaftliche Auswirkungen. Insbesondere im zweiten und dritten Szenario ist mit deutlichem Sinken der Arbeitslosigkeit zu rechnen, sodass de facto eine Vollbeschäftigung erreicht werden kann (die Zahl der nicht Beschäftigten sinkt dabei unter zwei Prozent). Ausgaben für Importe fossiler Energien in der Höhe von bis zu zwölf Milliarden Euro fallen weg.

Entscheidend für das Erreichen des Ziels werde sein, dass die Maßnahmen gut geplant und gut aufeinander abgestimmt werden – etwa bei der Förderung von Sonnenstrom, sodass Förderungen genau dort konzentriert werden, wo das Stromnetz entsprechend ausgebaut ist und der Solarstrom auch eingespeist werden kann.
Die Studie wurde im Auftrag von Mutter Erde erstellt, einer NGO, die 2014 von ORF, Global 2000, Greenpeace und dem WWF gegründet wurde. Partner sind Alpenverein, BirdLife, Naturfreunde, Naturschutzbund und VCÖ. Stagl und Steininger sind Mitglieder des Expertenbeirats.

Die Presse

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