Kein Gas aus Russland

12. März 2024

Gerade eben hat der Ministerrat Maßnahmen zur Stärkung der Unabhängigkeit in der Energieversorgung beschlossen.

Auch wenn der Gasverbrauch in Österreich im Jahresvergleich deutlich gesunken ist und damit weniger Gas importiert werden musste, stammten 2023 mehr als zwei Drittel aller Gasimporte aus Russ¬land, im Dezember 2023 sogar 98 Prozent. Für das britische Magazin „The Economist“ gilt Österreich nach Ungarn als zweitnützlichster „Idiot Wladimir Putins“. Denn seit Kriegsbeginn mit der Ukraine wurde die Erdgasabhängigkeit nicht signifikant reduziert.

Aktuell setzt sich der österreichische Importanteil nicht-russischer Quellen zu einem großen Teil aus norwegischem Gas und Flüssiggas (LNG) und zu kleineren Teilen aus nordafrikanischem und zentralasiatischem Gas zusammen, die über Routen durch Deutschland und Italien zu uns gelangen. Zur Gasdiversifizierung und Unabhängigkeit von russischen Importen, plant die Bundesregierung deshalb auch den Ausbau der West-Austria-Gasleitung in Richtung Deutschland. Dieser Ausbau sollte schnell gehen, da Kiew schon letztes Jahr ankündigte, den bis Ende 2024 geltenden Vertrag zur Durchleitung nicht zu verlängern.

Die EU spart deshalb nicht mit Kritik: Auch wenn Österreich seine Abhängigkeit verringern könne, liege es immer noch weit über dem EU-Schnitt. Darüber hinaus würde ein klar definierter kurzfristiger Plan zur vollständigen Abkoppelung fehlen. Die EU selbst hat vergangenen Montag ihren auslaufenden Einsparungs-Notfallplan aus 2022 verlängert. Die österreichische Regierung nimmt auch deshalb nochmals einen Anlauf, die diversen erneuerbaren Energien nun wirklich forcieren zu wollen. Eine Reihe von neuen Gesetzen wie das „Erneuerbares-Gas-Gesetz“ oder das „Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungs-Gesetz“ soll dem Vorhaben auf die Sprünge helfen.

Das US-amerikanische Institute for Energy Economics and Financial Analysis (IEEFA) ermittelte, dass in den vergangenen zwei Jahren in Europa die Gasnachfrage um 20 Prozent zurückgegangen, also ordentlich Gas eingespart wurde. Ausgehend von über 40 Prozent im Jahr 2021 betragen die EU-Importe aus Russland aktuell nur mehr acht Prozent. Heute stammt fast ein Drittel des in Europa verwendeten Erdgas aus Norwegen, der Rest aus Nord-afrika, dem Vereinigten Königreich und Qatar. Auf den Ausbau der Flüssiggaskapazitäten setzen vor allem Frankreich, Spanien und die Niederlande. Dabei warnt die IEEFA vor Überkapazitäten und neuerlicher Abhängigkeit von Lieferanten.

von Christoph Flatz, Veranlagungsspezialist in der Sparkasse

Neue Vorarlberger Tageszeitung

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