Eine Lösung für entspanntere Netze

24. Juni 2024

Photovoltaik-Ausbau im Land läuft auf Hochtouren, 2023 wuchs die Leistung um 68 Prozent. Das fordert die Netze massiv.

Man darf Bernd Lippacher getrost, und keinesfalls despektierlich gemeint, einen Altvorderen nennen. Seit Jahrzehnten beschäftigt sich der Murtaler mit erneuerbaren Energien, 2006 gründete er Ökosolar als darauf spezialisierten Betrieb aus. Heute zählt das Unternehmen aus Eppenstein nicht nur zu den führenden Errichtern von Photovoltaik-Anlagen im Land, sondern gilt auch als Experte für Projektentwicklung, Betriebsführung und Monitoring der Anlagen.
Die Nachfrage nach PV-Anlagen habe sich aktuell wieder auf ein Niveau eingependelt, das jenes vor dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs ähnle, erzählt Lippacher. Im Vorjahr aber legte die installierte Photovoltaik-Leistung im Land noch einmal deutlich zu.

„2023 wurde der Ausbaurekord aus dem Vorjahr abermals übertroffen“, heißt es dazu aus dem Umweltministerium. Konkret wuchs die PV-Leistung alleine im vergangenen Jahr um 68 Prozent, seit 2020 hat sich die gesamt installierte PV-Leistung in Österreich verdreifacht. Weil der Ausbau auch noch ziemlich dezentral geschah, wuchs zugleich die Belastung der Stromnetze im Land enorm.

Bei Ökosolar will man jetzt eine Lösung zur Entspannung gefunden haben. Präsentiert wird diese zurzeit in München. Dort findet noch bis Freitag die Messe Intersolar statt – mit mehr als 115.000 erwarteten Besuchern das weltgrößte Branchenevent. Gemeinsam mit dem Kärntner Unternehmen RSE tüftelte Ökosolar drei Jahre lang an der Entwicklung neuer Energieleittechnik, auf Hardware- und Softwareseite.

Die finale Lösung soll schließlich „die Einspeisung ins öffentliche Netz hochpräzise regeln und überwachen“, wie es von Ökosolar heißt. Ist die Spannung im Netz zu hoch, kann der Netzbetreiber eingreifen. „Er kann die Anlagen herunterregeln“, erklärt Lippacher. Wenngleich das „möglicherweise dramatischer klingt, als es ist“. Lippacher glaubt nicht, dass derlei Eingriffe allzu häufig geschehen werden. Die Anlagen freilich müssen dennoch vorbereitet sein. „Große Photovoltaik-Anlagen sind nach wie vor im Aufschwung. Und ab einer Leistung von 200 Kilowatt benötigen sie zukünftig einen solchen Regler verpflichtend“, sagt Bernd Lippacher, der in München auch eine Monitoring-Plattform präsentieren wird, die die Einspeisung ins öffentliche Netz entsprechend visualisiert.

Nicht zuletzt befindet sich in der Pipeline von Ökosolar eine Weiterentwicklung für auf Trafoebene vernetzte Stromspeicher, gedacht für den Einsatz in Siedlungen oder Kleinregionen.

von Markus Zottler

Kleine Zeitung

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