
Ankündigung des Umbaus von 73 Kilometern zwischen Liezen und Wagrain sorgte für Proteste. Jetzt beginnen die Vorbereitungen, ab Frühjahr 2026 wird die 220-kV-Leitung für die Arbeiten vom Netz genommen.
Im Jahr 1949 nahm die 220-kV-Leitung vom Umspannwerk in Weißenbach bei Liezen bis nach Wagrain (Pongau) ihren Dienst auf. 56 der insgesamt 73,2 Kilometer schlängeln sich dabei durch das steirische Ennstal. Diese wichtige Ost-West-Verbindung im Stromnetz muss nun generalsaniert werden.
Dahinter steht das Unternehmen Austrian Power Grid (APG), Betreiber des österreichischen Übertragungsnetzes. 2022 veröffentlichte man die Pläne zur Generalsanierung, was vor allem in Schladming eine Protestwelle auslöste. Gemeindeführung, Tourismusverband und Betroffene forderten die Verlegung eines Erdkabels im Gemeindegebiet. Die APG schloss das aber von Anfang an aus. Mit der rechtskräftigen Bau- und Betriebsbewilligung im Juni 2023 gaben die Schladminger dann jegliche Bemühungen auf.
„Mit Anfang 2025 starteten die ersten bauvorbereitenden Maßnahmen wie Einbautenerhebungen und die Einrichtung von Baulagerplätzen“, erklärt APG-Sprecher Stefan Walehrach. Prinzipiell ist ein zentrales Baulager geplant, der Standort aber noch nicht fixiert. Die Bauarbeiten selbst starten „im Frühjahr 2026 und dauern bis Ende 2027“.
Die Strecke ist in fünf Baulose unterteilt, an denen zeitgleich gearbeitet wird. Die Leitung muss dafür komplett abgeschaltet werden. „Das hat aber keine Auswirkung auf die Stromversorgung, diese wird aus anderen Stellen bezogen“, so der Sprecher. Die APG rechnet mit Kosten von 175 Millionen Euro, 2022 war noch von 145 Millionen Euro die Rede. „Das liegt an der Preissteigerung bei der Beschaffung von Materialien.“
Für die Generalsanierung musste die APG „600 bis 650 Dienstbarkeitsübereinkommen“ abschließen. Mit der Landwirtschaftskammer Liezen wurde eine Rahmenvereinbarung für Entschädigungszahlungen bei land- und forstwirtschaftlichen Flächen geschlossen. Wer wie viel bekommt, hängt von Faktoren wie Lage, Grundstückspreis und Flächennutzung ab. „Die notwendigen Gutachten sind weitestgehend abgeschlossen, wir werden im Frühsommer mit der Auszahlung starten“, so Walehrach.
„Wir können mit gutem Gewissen empfehlen, dieses Angebot anzunehmen“, bestätigt Kammerobmann Peter Kettner. Man habe versucht, „das maximal Mögliche herauszuholen“, sei doch auch die belastete Fläche sehr groß. „Links und rechts der Trasse werden jeweils 30 Meter in Anspruch genommen.“ Die teils gewünschten Mastenverschiebungen an besonders belasteten Bauernhöfen in Stainach und Schladming seien aber „leider unmöglich“ gewesen.
Am vergangenen Dienstag gingen im Übrigen die Verhandlungen zwischen APG und Landwirtschaftskammer bezüglich der Generalsanierung der Leitung von Weißenbach bei Liezen bis Sankt Peter-Freienstein (Leoben) zu Ende. Die Arbeiten an dieser Leitung beginnen nach dem Abschluss der Ennstal-Leitung im Jahr 2028. „Sobald diese Rahmenvereinbarung unterschrieben ist, verständigen wir die Grundeigentümer. Es wird auch eine Infoveranstaltung geben“, schließt Kettner.
Was bedeutet Generalsanierung?Alle 234 Masten, deren Fundamente, die Beseilung, Erdungen und Armaturen werden auf den neuesten Stand gebracht.Die Trasse bleibt bis auf zwei Ausnahmen (im Wörschacher Moos und einem Wasserschutzgebiet in Mitterberg-Sank Martin) ident. Das bestehende Einfachseil wird durch ein sogenanntes Zweierbündel ersetzt, dadurch kann mehr Strom transportiert werden.Um dabei die elektromagnetischen Emissionen gleich oder niedriger zu halten, müssen die neuen Masten aber „punktuell um bis zu zehn Meter erhöht werden“, erklärt die APG.
von Veronika Höflehner
Kleine Zeitung