An den Energiemärkten glauben viele immer noch an ein rasches Ende des Konflikts. Dagegen gibt es Zweifel an Trumps Plan, Versicherungen für Schiffe in der Straße von Hormuz anzubieten.
Mit den Preisanpassungen nach oben geht es sehr schnell. Seit dem Sonntag sind die Spritpreise in Österreich bereits um rund zehn Prozent gestiegen, geht aus dem von der E-Control veröffentlichten Preismonitor hervor. Diesel verteuerte sich bis Dienstag um zwölf Prozent, Superbenzin um etwas mehr als neun Prozent. Die Auswertung der E-Control erfolgt immer für den Vortag.
Die Rohölpreise sind in den vergangenen Tagen infolge des Krieges im Iran und am Golf gestiegen. Für die Kosten an den heimischen Zapfsäulen ist aber weniger der Rohölpreis (Brent) direkt relevant. Wichtiger ist der Rotterdamer Produktenmarkt. Private Informationsdienstleister wie Argus oder Platts rufen täglich Händler durch, um zu erfahren, zu welchen Preisen sie Benzin, Diesel oder Heizöl am Markt in Rotterdam handeln. Hier geht es also nicht um den Preis für den Rohstoff, sondern schon um das verarbeitete Produkt. Aus diesen Rundrufen ergibt sich ein Tagesdurchschnittswert. Dieser Wert ist jener, an dem sich Raffinerien orientieren, wenn sie ihre Produkte an Händler verkaufen, die dann Tankstellen in Österreich beliefern. Die Tankstellen heben oder senken ihre Preise entsprechend den ihnen durch die Raffinerien verrechneten Kosten und beobachten dabei die umliegenden Mitbewerber. Dadurch entstehen gewisse regionale Abweichungen.
Steigende Preise
Diesen Mechanismus beschreibt eine Branchenuntersuchung der Bundeswettbewerbsbehörde zum Kraftstoffmarkt, die 2022 veröffentlicht wurde. Beim letzten großen Preisanstieg sind vor allem die Margen der Raffinerien hochgeschossen, weil die Preise für verarbeitete Ölprodukte stärker gestiegen und länger hoch geblieben sind als der Preis für Öl. Für Österreich ist hier vor allem die Raffinerie der OMV in Schwechat relevant. Über den Rotterdamer Produktenmarkt wird physisch nur eine sehr kleine Menge gehandelt, der Preis dient also vor allem als Signal am Markt.
Während Benzin und Diesel teurer geworden sind, ging es an der europäischen Gasbörse TTF am Mittwoch bergab: Eine Megawattstunde Gas kostete dort etwas mehr als 40 Euro, am Dienstag waren es zwischenzeitlich um die 60 Euro gewesen. Vor dem Krieg waren es 32 Euro. Nicht ganz klar ist, warum es zu Preisrückgängen gekommen ist. Offenbar dürften viele Händler weiterhin davon ausgehen, dass der Krieg rasch vorübergehen wird. Laut Bloomberg war für die Beruhigung womöglich auch ein Beitrag der New York Times ausschlaggebend, wonach der Iran über Geheimdienstkanäle Verhandlungsbereitschaft gegenüber den USA signalisiert haben soll.
In der Golfregion und der Straße von Hormuz deutet freilich nichts auf eine Beruhigung hin, im Gegenteil. Katar hat am Mittwoch offiziell erklärt, seine LNG-Produktion bis auf weiteres wegen „höherer Gewalt“ eingestellt zu haben. Am Golf von Oman wurde ein Containerschiff unter maltesischer Flagge von einem Projektil getroffen. Die Meerenge von Hormuz wird de facto kaum von Schiffen befahren, der Iran hat mit Angriffen gedroht. Was womöglich noch gewichtiger ist: Für Schiffe ist es kaum noch möglich, Versicherer zu finden.
Clubs ziehen sich zurück
Seeversicherungen werden meist über Protection and Indemnity (P&I) Clubs – gegenseitige Seeversicherer, die Haftpflichtversicherungen für Schiffe anbieten – abgewickelt. Diese Clubs decken meist nur begrenzte Schäden ab. Große Risiken werden gemeinschaftlich gepoolt. Die International Group of P&I Clubs, ein Zusammenschluss der zwölf wichtigsten Clubs, hat bereits sämtliche Polizzen für Schäden aus kriegerischen Ereignissen für die Straße von Hormuz aufgekündigt.
Um das Problem zu entschärfen, hat US-Präsident Donald Trump am Dienstag angekündigt, dass die US-amerikanische International Development Finance Corporation (DFC) Versicherungen für Schiffe zu erschwinglichen Preisen anbieten wird. Allerdings wirkt das Projekt bisher eher improvisiert: Auf der Homepage der DFC, die als Entwicklungsbank in den USA fungiert, findet sich bisher nur ein Hinweis, dass interessierte Reedereien eine Mail schicken sollen. Trump kündigte auch militärischen Schutz für Schiffe an. Aber selbst wenn es diesen Schutz geben sollte, sind die Probleme in der Seestraße derzeit vielfältiger.
Der Standard



