Herausforderung. Eine Vielzahl an Photovoltaik-Anlagen und Batteriespeichern fordert das Netz in Niederösterreich – St. Pölten will mit der ersten stadteigenen Photovoltaik-Anlage und Riesenspeicher die Energiewende vorantreiben.
„Der Wandel der Energiewirtschaft ist voll im Gange“, sagt Werner Hengst, Geschäftsführer von Netz Niederösterreich, mit Blick auf das vergangene Jahr. „Kunden stellen dabei einen aktiven Teil dar, ebenso wie wir als Netzbetreiber. Wir arbeiten daran, die Energiezukunft durch den Ausbau der Infrastruktur und verstärkt durch den Einsatz intelligenter Systeme und Digitalisierung zu ermöglichen.“ Der Umstieg von fossilen Energieträgern hin zu erneuerbaren Energieträgern fordere die Netze.
Nach dem Rekordjahr 2023 habe der Zuwachs bei Photovoltaik-Anlagen zwar etwas abgenommen, aber auch 2025 kamen knapp 12.000 niederösterreichweit neu hinzu – das ist ein Zuwachs von rund 10 Prozent. Insgesamt speisen derzeit mehr als 130.000 Anlagen in das Netz der Netz NÖ ein.
Viele Anfragen
Für Privathaushalte wird die Kombination aus Photovoltaik und Speicher immer beliebter. „Rund 25.000 Anfragen für kleinere und Großbatteriespeicher wurden 2025 gestellt. Die größte Herausforderung stellt aktuell aber die enorme Menge an Speicheranfragen dar, die an das Netz NÖ herangetragen werden“, so Hengst. Derzeit liegen Anfragen für knapp 6.000 Megawatt vor – zum Vergleich: der Strombedarf von ganz Niederösterreich liegt bei maximal 1.600 Megawatt.
Neben der Einspeisung steigen die Anforderungen an das Netz auch auf der Verbraucherseite: So hat sich die Anzahl der Anfragen für E-Ladestationen auf 2.500 verdreifacht und es liegen Anfragen für energieintensive Rechenzentren über 1.800 Megawatt zur Bearbeitung auf.
Neben 700 neue Trafostationen und der Verlegung von rund 1.000 Kilometern an Kabeln wurden im letzten Jahr die Arbeiten an sechs Umspannwerken abgeschlossen und fünf neue Umspannwerks-Baustellen eröffnet. „Bis 2034 planen wir als Netz NÖ 55 Umspannwerke neu zu bauen beziehungsweise zu modernisieren“, kündigt Netz Niederösterreich Geschäftsführer Harald Dammerer an.
Sonnenstrom für St. Pölten
Der vergangene Freitag bot mit starker Bewölkung und Schneefall nicht optimale Voraussetzungen, um den nächsten Schritt der Landeshauptstadt in Sachen Energiewende zu präsentieren. Doch St. Pöltens erste stadteigene Photovoltaik-Anlage läuft bereits. Sie verfügt über eine Leistung von 670 Kilowatt-Peak und einen Batteriespeicher mit einer Kapazität von einem Megawatt.
Damit kann nicht nur tagsüber erzeugter Sonnenstrom genutzt werden, sondern auch in den Abendstunden – etwa für Straßenbeleuchtung oder für Mitglieder der Energiegemeinschaften, wie Franz Gruber, Leiter der Klimakoordinationsstelle der Stadt, erklärt. Errichtet wurde die Anlage im Stadtteil Wagram, in unmittelbarer Nähe zur Autobahn-Raststation sowie zur Abfahrt St. Pölten Ost. Die Fläche galt ursprünglich als mögliche Erweiterungszone für die Raststation, in Abstimmung mit der Asfinag sei aber geklärt worden, dass eine Erweiterung nicht notwendig ist.
Besonderer Wert wurde laut Bürgermeister Matthias Stadler (SPÖ) auf ökologische Umsetzung gelegt. Die Photovoltaik-Module wurden ohne Betonfundamente in den Boden gerammt, bestehende Böschungen blieben erhalten. Zusätzlich entstehen Hecken aus heimischen Gehölzen. Auch die Zufahrtsstraße wurde so gestaltet, dass Regenwasser versickern kann. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 980.000 Euro – finanziert zur Hälfte aus dem Kommunalen Investitionsprogramm, weitere Förderungen seien beantragt.
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