Eis und Schnee sorgen bei RWE für trübe Zahlen

11. Mai 2021, Essen

Nachdem der deutsche Energieriese RWE Corona gut überstanden hatte, kam Gegenwind von den USA. Ein heftiger Wintereinbruch belastet heuer voraussichtlich das Ergebnis. Analysten sehen bei der Aktie trotzdem noch Aufwärtspotenzial. Am Mittwoch legt die RWE, die in Österreich maßgeblich an der Kärntner Kelag beteiligt ist, erstmals unter neuer Führung seine Zahlen für das erste Quartal vor. Im Aufsichtsrat sitzt der frühere ÖVP-Kanzler Wolfgang Schüssel.

Das Coronajahr 2020 war für RWE letztendlich besser gelaufen als erwartet. Aber so gut geht es 2021 erst mal nicht weiter für den Energiekonzern. Gleich zu Beginn des Jahres hat der schwere Wintereinbruch in den USA das Geschäft der Essener gebremst. Und es ist bereits klar: Eis und Schnee haben auch die Prognose für das laufende Jahr etwas runtergekühlt.

Wegen Vereisungen und Netzproblemen war in Texas ein Teil der Windkraftanlagen vor Ort außer Betrieb. Dazu wirkte sich das extreme Wetter auf die Strompreise aus. Da RWE einen Teil der Produktion aus den Windkraftanlagen bereits verkauft hatte, musste der Konzern nun „zu außergewöhnlich hohen Preisen“ Strommengen zukaufen, um seine Lieferverpflichtungen zu erfüllen. Die Folge sind Belastungen in Höhe von 400 Mio. Euro.

Für das Gesamtjahr rechnet der Vorstand deshalb mit einem bereinigten Nettoergebnis zwischen 750 Mio. Euro und 1,1 Mrd. Euro. Das wäre weniger als im Coronajahr mit 1,2 Mrd. Euro. Für das bereinigte operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) erwartet der Konzern ebenfalls einen Rückgang auf 2,65 bis 3,05 Mrd. Euro in Aussicht. Beim bereinigten Ebit sollen es 1,15 bis 1,55 Mrd. Euro werden.

Die Dividende will der Konzern wegen der guten Finanzlage im laufenden Jahr allerdings erhöhen: Die Aktionäre sollen für 2021 je Aktie 90 Cent und damit etwas mehr als zuletzt erhalten. Die Finanzlage habe sich 2020 weiter verbessert, hatte Markus Krebber im März noch als Finanzchef erklärt. Nun tritt er die Nachfolge von Schmitz als neuer Konzernchef an. Die Zahlen zum ersten Quartal am Mittwoch sind damit sein Debüt.

Unterdessen drängen Aktionäre auf einen schnelleren Kohleausstieg. Mit einem CO2-Ausstoß von knapp 69 Mio. Tonnen im Jahr 2020 sei RWE immer noch ein Emissions-Schwergewicht in Europa, lautete die Kritik bei der Online-Hauptversammlung des Stromversorgers im April. Deshalb sei eine Beschleunigung beim Braunkohleausstieg notwendig.

Von den 13 seit März im „dpa-AFX-Analyser“ gelisteten Experten würden 11 die Aktie derzeit in ihr Portfolio aufnehmen. Die anderen beiden würden das Papier zumindest halten, Verkaufsempfehlungen gibt es keine. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 40 Euro.

Die Deutsche Bank geht davon aus, dass RWE wegen des Kälteeinbruchs in Texas ein schwieriges erstes Quartal hinter sich haben dürfte. Deswegen und wegen höherer Steuerzahlungen in Großbritannien hat die Schweizer Bank Credit Suisse Anfang Mai auch ihre Gewinnschätzungen für den Energiekonzern gesenkt. RWE bleibe aber ihr favorisierter europäischer Versorger im Bereich Windenergie, schrieb Analystin Wanda Serwinowska.

Positiv heben andere Experten die Aussichten für die steigende Dividende in diesem Jahr hervor. Dazu sei der Geschäftsverlauf trotz der Coronakrise im vergangenen Jahr erfreulich gewesen, schrieb Analyst Holger Fechner von der Nord-LB. Und auch die langfristigen Wachstumsperspektiven blieben weiter gut, schrieb Analyst Werner Eisenmann von der DZ Bank.

Der Wintereinbruch in den USA, die damit verbundenen Folgen für RWE und der daraus resultierende Jahresausblick haben den Kurs der Aktie im ersten Quartal bröckeln lassen. Zwischenzeitlich sah es zwar wieder etwas besser aus, zuletzt verlor das Papier aber erneut und steht nun aktuell bei knapp 32 Euro. Bis zum durchschnittlichen Kursziel der Analysten von rund 40 Euro ist damit noch ordentlich Luft.

Wesentlich näher war der Kurs diesem Ziel bereits zu Beginn des Jahres, Anfang Jänner. Da erreichte die Aktie einen Wert von 38,65 Euro – und damit den höchsten Stand seit zehn Jahren.

Trotz des jüngsten leichten Rückgangs hat sich die Aktie wieder kräftig vom Corona-Crash-Tief von 20 Euro erholt. Die Entwicklung in den vergangenen Jahren ist ohnehin positiv. Wer die Anteilsscheine schon seit drei Jahren hält, kann ein Plus von mehr als 50 Prozent verbuchen. Auf fünf Jahre gesehen sind es sogar fast 170 Prozent.

Die Aktie konnte dabei unter anderem vom Klima-Hype an der Börse angesichts des Fokus des Konzerns auf erneuerbare Energien profitieren. So verlieren die Verstromung von Kohle, Gas sowie Kernkraft schrittweise an Bedeutung für das Unternehmen. Geholfen hat auch die Aufspaltung der früheren Tochter Innogy, die größtenteils an den Konkurrenten Eonging. RWE bekam dafür im Gegenzug zum Beispiel Ökostromkraftwerke.

Von diesem Deal profitierte RWE am Kapitalmarkt deutlich mehr als die Eon. Trotz der Erholung in den vergangenen Jahren zählt der Titel aber wie auch die Eon-Anteile zu den großen Verlierern seit der Finanzkrise. So büßte das RWE-Papier seit dem Rekordhoch von rund 102 Euro im Jahr 2008 fast 70 Prozent ein. Mit einem Börsenwert von aktuell knapp 22 Mrd. Euro liegt RWE im Dax auch nur noch im unteren Mittelfeld, nachdem das Unternehmen 2008 noch in der Top Ten gelegen hatte.

APA/dpa-AFX

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