Stegenwald: Baustart 2022 möglich

14. Juli 2021

Quelle: Salzburger Nachrichten am 13.07.2021 (S. L6-L7)

Beim geplanten Salzach-Kraftwerk gibt es eine Beschwerde der Umweltanwältin. Verbund und Salzburg AG drängen aber auf einen Baustart.


2010 haben die Salzburg AG und der Verbund die Pläne für ein Salzach-Kraftwerk in Werfen-Stegenwald eingereicht. Geplant ist ein Kraftwerk mit einer Leistung von 14,5 Megawatt und einer Jahreserzeugung von 72 Gigawattstunden, das 20.000 Haushalte versorgen soll. Kosten soll es rund 90 Mill. Euro. 2014 stellte der Verwaltungsgerichtshof fest, dass keine Umweltverträglichkeitsprüfung nötig ist. Als Folge haben die beiden Energieversorger begonnen, die Verfahren fortzuführen und die nötigen Genehmigungen zu beantragen. Salzburg-AG-Sprecher Harald Haidenberger: „Derzeit liegt der erstinstanzliche Bescheid nach dem naturschutzrechtlichen Verfahren vor. Ob der Bescheid rechtskräftig wird, ist abhängig davon, ob dagegen Beschwerden erhoben werden.“


Allerdings: Am Montag hat Landesumweltanwältin Gishild Schaufler eine solche Beschwerde, die 78 Seiten umfasst, erhoben. Schauflers Hauptargument: „Der Abschnitt, wo das Kraftwerk geplant ist, ist die letzte freie, unverbaute Fließstrecke der mittleren Salzach. Es ist ein mäandrierendes Gewässer, das sehr artenreich ist.“ Vom Projekt seien daher etwa viele Amphibien, Reptilien und Vögel massiv betroffen – beispielsweise Wasseramsel, Gebirgsstelze, Flussuferläufer und der Eisvogel, die alle streng geschützt seien: „Dort ist ihr Lebensraum und ihr Brutgebiet.“ Zudem würden auch waldbewohnende Vogelarten, Fledermäuse und Insekten durch das Kraftwerk gestört. Schaufler: „Auch im naturschutzfachlichen Gutachten kommt heraus, dass das ein artschutzmäßig höchstwertiges Gebiet ist.“


Die Umweltanwältin betont, dass es für die Bewilligung des Projekts eine Interessenabwägung brauche. Auch sie sagt, dass die Erzeugung von erneuerbarer Energie wichtig sei, um die fossile Energie zu ersetzen. „Oberstes Ziel ist aber, weniger Energie zu verbrauchen. Denn es fehlen uns die Flächen für den weiteren Bau von Kraftwerken.“ Für Schaufler sind in Stegenwald die Prioritäten klar: „Da hat die Stromerzeugung Nachrang. Neben dem Klimawandel gibt es auch das Artensterben. Und wir brauchen die Artenvielfalt zum Überleben – Stichwort: Erhalt der Nahrungskette.“ Als nächste Instanz ist das Landesverwaltungsgericht am Zug, um über die Beschwerde Schauflers zu entscheiden.


Die beiden Energieversorger betonen, dass Stegenwald ein wichtiges Projekt sei, um den Selbstversorgungsgrad des Landes mit Strom aus erneuerbaren Quellen zu steigern. Es sei außerdem nötig, um die bundesweiten Klimaschutzziele zu erreichen. Zudem erfülle das Projekt „höchste Standards aus Natur- und Umweltschutz“. Dazu kommt, dass die Stromkonzerne auf eine baldige Umsetzung ihrer Pläne drängen. Haidenberger und Verbund-Sprecher Wolfgang Syrowatka: „Theoretisch wäre ein Baubeginn 2022 möglich – der weitere Zeitplan ist jedoch unter anderem vom rechtskräftigen Vorliegen der Genehmigungsbescheide abhängig.“


Der Werfener Bgm. Hubert Stock (ÖVP) ist für das Kraftwerk: „Wir gehen davon aus, dass es bald einmal umgesetzt wird. Wir sind aufseiten der Wasserkraft.“ Aus seiner Sicht sei das Projekt „sehr umweltfreundlich und sehr naturnah geplant“. Daher erwartet Stock auch keinen Widerstand von Anrainern oder Grundbesitzern: „Durch das Kraftwerk wird es auch Verbesserungen geben wie bessere Zufahrten.“ Auch dass die Fischer das Projekt noch verhindern, glaubt er nicht: „Glücklich werden die damit nie werden. Aber mit dem Fischaufstieg samt einem parallel laufenden Gewässer können sie leben.“

von Stefan Veigl

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