Industrie und Energie Der Emissionshandel soll es richten

5. August 2021

Die Emissionen von Industrieunternehmen und Kraftwerksbetreibern sind seit 1990 um 3,9 Prozent auf 35 Mill. Tonnen CO2 gesunken. Was die großen unter ihnen emittieren dürfen, ist seit 2005 im Europäischen Emissionshandels-System ETS geregelt. Die vom ETS erfassten Emissionen sind seither um 16 Prozent auf 24 Mill. Tonnen gesunken, womit dieser Bereich für ein Drittel der Treibhausgase verantwortlich ist. Die Unternehmen, die nicht erfasst sind, kamen 2019 auf 5,4 Mill. Tonnen.


Die meisten Treibhausgase in Österreich produziert mit Abstand der Stahl- und Technologiekonzern voestalpine mit 11,4 Mill. Tonnen (2020) – heute schon einer der saubersten Stahlerzeuger der Welt –, gefolgt vom teilstaatlichen Öl- und Gaskonzern OMV (2,9 Mill. Tonnen) und der Wien Energie mit 2,3 Mill. Tonnen. Um emissionsintensive Unternehmen wie die voestalpine klimaneutral zu machen – etwa durch den Einsatz von Elektrolichtbögen –, wird intensiv geforscht. Die Regierung fördert unter anderem eine Pilotanlage zur Erzeugung von Wasserstoff, der später direkt zur Stahlproduktion eingesetzt werden soll.


Beim ETS kann die Regierung nur auf EU-Ebene Veränderungen mitbestimmen. Das ist mit der Reform des ETS bereits passiert bzw. im Rahmen des Klimapakets in Arbeit.


Im Energiesektor hat bereits die Regierung Faymann beschlossen, die Stromversorgung (bilanziell) auf 100 Prozent Ökostrom umzustellen. Anfang Juli ist mit dem Beschluss des Erneuerbaren Ausbau Gesetzes (EAG) im Nationalrat ein entscheidender Schritt gelungen – allerdings eineinhalb Jahre später als geplant. Es bildet die Basis für den notwendigen massiven Ausbau von Sonnen- und Windkraft sowie Biomasse und Wasserkraft. Und es stellt das Fördersystem auf neue Beine. Es geht immerhin um rund eine Mrd. Euro pro Jahr bis 2030. Das Vorhaben ist gewaltig. Österreich hat durch seine große Menge Wasserkraft schon 70 Prozent sauberen Strom. Derzeit beträgt der Anteil von Wind, Sonne und Biomasse etwa zehn Prozent. 2030 soll es – bei steigendem Stromverbrauch – mehr als ein Drittel sein. Gegen Windräder, neue Wasserkraftwerke und große Photovoltaikanlagen auf der grünen Wiese regt sich aber Widerstand.


Der Ausstieg aus Erdgas soll bis 2040 gelingen. Ein Gesetz dazu ist in Arbeit, das Thema ist ebenso umstritten wie die seit Langem angekündigte Wasserstoffstrategie.
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Salzburger Nachrichten

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