Im Berg werden 480 Mill. Euro verbaut

21. September 2021

Am Freitag war der Tunnelanstich für das Kraftwerk Limberg III. Und die erstaunliche Arbeit in den 1950ern macht ein weiteres Projekt möglich.


Anton Kaindl Kaprun. Schon 2017 wurde das Pumpspeicherwerk Limberg III in Kaprun genehmigt. Erst am Freitag fand der Tunnelanstich statt. Das ist der Auftakt zu den Hauptarbeiten. Mit den Vorarbeiten wie der Baustelleneinrichtung hatte man im Frühling 2021 begonnen. Der Grund für die Verzögerung ist das lange Verfahren bei der 380-kV-Leitung. Erst als es zu Ende war, machte man auch bei Limberg III Nägel mit Köpfen. Ohne eine leistungsfähige Leitung ist der Betrieb des Kraftwerks nicht möglich.


Limberg III dient nicht primär dazu, um die Haushalte in Salzburg zu versorgen, sondern um Schwankungen im österreichischen und mitteleuropäischen Stromnetz auszugleichen. Diese werden in Zukunft noch mehr zur Herausforderung, wenn man wie beabsichtigt noch stärker auf die Wind- und die Sonnenkraft setzt, die nur unregelmäßig zur Verfügung stehen. Das Speicherkraftwerk kann zu jedem Zeitpunkt im gewünschten Umfang gefahren werden. Der Geschäftsführer der Verbund Hydro Power GmbH, Karl Heinz Gruber, sagte: „Mit der zusätzlichen Leistung durch Limberg III können beispielsweise bis zu 100 neue Windräder oder 100.000 Haus-Photovoltaik-Anlagen in Sekundenschnelle ersetzt werden.“


Bei Limberg III handelt es sich um einen Zwilling des in den Jahren 2007 bis 2011 errichteten Kraftwerks Limberg II. Wie dieses wird es unterirdisch zwischen den beiden Speichern Wasserfallboden und Mooserboden gebaut. Die Kavernen und Druckleitungen sind parallel zu jenen von Limberg II einige Meter tiefer im Berg. Die Inbetriebnahme ist für 2025 geplant.


In den Kosten von 480 Mill. Euro ist auch die Erhöhung des Stauziels beim Speicher Wasserfallboden um acht Meter enthalten. Das heißt, die 1951 fertiggestellte 120 Meter hohe Limbergsperre wird um acht Meter erhöht. Gruber sagt, in den 1950er-Jahren sei mit großen Reserven gebaut worden. Das hätten neue Berechnungen gezeigt. Durch die Erhöhung vergrößert sich das Speichervolumen im unteren Stausee von 93,6 auf 106,6 Mill. Kubikmeter. Mit Limberg III hat der Verbund in den letzten zehn Jahren rund 900 Mill. Euro in Kaprun investiert. Zwei Drittel der Wertschöpfung blieb in Österreich, viel davon in der Region.


Als Ausgleichsmaßnahme werden östlich der oberen Staumauern Richtung Wiesbachhorn 24 Hektar Fläche zum Europa-Schutzgebiet „Alpines Schwemmland Drossen“. Zudem werden unterhalb der Drossensperre Spuren der Bauzeit der 1950er-Jahre durch Renaturierung beseitigt. Die Ausgleichsmaßnahmen und der unterirdische Bau von Limberg III können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Energiewende Spuren hinterlassen wird und dass man sie in der Landschaft sehen wird, stellte Michael Strugl klar, der Vorstandsvorsitzende des Verbund. „Die Regierung will bis 2030 100 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen erzeugen. Dazu müssen wir viel mehr Strom erzeugen, 27 Terawattstunden im Jahr. 70 brauchen wir derzeit in Österreich.“ Es werde Windräder, Photovoltaikanlagen, Speicher und Leitungen brauchen und ein Bekenntnis zu diesen Anlagen. „Ohne Bauen gibt es keine Wende.“ Der Aufsichtsratsvorsitzende Martin Ohneberg forderte rasche Verfahren auf höchstem Niveau. Das sei kein Widerspruch. Auch für LH Wilfried Haslauer ist klar: „Mit Verzicht können wir den Klimawandel nicht stoppen.“

Salzburger Nachrichten

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