Mehr Strom für das Depot

24. Jänner 2022

Weltweit boomt die Elektromobilität. Wie Anleger auch mit ETFs von dem Megatrend profitieren können.

Dass der Elektromobilität die Zukunft gehört, bezweifelt kaum noch jemand. Kohlenstoffbasierte Verbrennungsmotoren in Autos gelten zunehmend als unerwünscht. Zuerst hat China im Jahr 2019 mit der Einführung der Elektroautoquote Fakten geschaffen. Mitte 2021 stellte dann auch die EU die Weichen neu. Das Klimaschutzprogramm „Fit for 55“ sieht vor, dass die jährlichen Emissionen neuer Pkw ab 2030 um 55 Prozent und ab 2035 um 100 Prozent sinken. „Das bedeutet faktisch das Ende des Verkaufs von konventionellen Verbrennern“, sagt Philipp Stumpfegger, Analyst für die Automobilbranche beim Vermögensverwalter DJE Kapital. Als Alternative kämen überwiegend Elektrofahrzeuge und Autos mit alternativen Treibstoffen infrage. „VW zum Beispiel will spätestens bis 2035 den letzten herkömmlichen Verbrenner produzieren“, erklärt der Branchenkenner. Für Anleger bedeutet das neue, spezielle Investmentchancen.


Denn in Europa steigen die Neuzulassungen von Elektroautos rapide. Für 2021 sollen es 1,2 Millionen sein. Als Grund für die Entwicklung gelten die finanziellen Anreize der Politik. Global gesehen rechnet Stumpfegger sogar mit 4,4 Millionen neu zugelassenen E-Autos. Der weltweite Absatz soll Schätzungen zufolge bis 2030 jährlich um gut 25 Prozent wachsen.


Kein Wunder, dass sich VW-Chef Herbert Diess ehrgeizig zeigt und seinen Konzern zum „Weltmarktführer für Elektrofahrzeuge“ machen will. Als Hauptkonkurrent nennt er Tesla.


Beobachter sind sich indes einig: Vom stark wachsenden E-Auto-Absatz profitieren vor allem die Hersteller von Batterien. Denn bisher sind meist mehr als 30 Prozent der Kosten eines Stromers auf die Batterie zurückzuführen, berichtet Analyst Stumpfegger. Etwa 75 Prozent der derzeitigen Produktionskapazitäten für Batteriezellen befinden sich demnach in Asien, wo CATL, LG Energy Solution, BYD, Panasonic und Samsung SDI die weltweit führenden Produzenten sind. Zuletzt sind mit Tesla in Grünheide und dem chinesischen Akku-Spezialisten CATL aber auch in Deutschland Batterieprojekte an den Start gegangen.


Soll die Energie dieser Batterien aber wirklich „grün“ sein, müssen nicht nur Wind- und Solarkraftanlagen, sondern auch stationäre Batteriespeicher massiv ausgebaut werden. Denn Sonne und Wind stehen nicht gleichmäßig zur Verfügung. „Die Batterie ist der Dreh- und Angelpunkt im Kampf gegen den Klimawandel“, sagt der DJE-Analyst. Der steigende Bedarf an Speichermöglichkeiten erhöht auch die Nachfrage nach entsprechenden Rohstoffen. Laut der Internationalen Energieagentur soll der Bedarf an Lithium im Jahr 2040 um das 42-Fache größer sein als 2020. „Hiervon“, meint Stumpfegger, „sollten Lithiumproduzenten wie Albemarle, SQM, Gangfeng oder Lithium Americas profitieren.“ Auch Grafit, Kobalt und Nickel sollten jeweils etwa in der 20-fachen Menge nachgefragt werden. Die E-Mobilität umfasst also neben der Antriebstechnologie Verkehrsinfrastruktur, Rohstoffe und erneuerbare Energien.


Anleger haben über Indexfonds, die börsengehandelten Exchange Traded Funds (ETF), die Möglichkeit, in Elektromobilität zu investieren. Klar ist, dass Investoren hier auf ein spezielles Segment des Technologiesektors setzen. Sie sollten sich daher darüber bewusst sein, dass Aktien eines solchen speziellen Themas je nach Nachrichtenlage auch deutlich im Wert schwanken können. Experten raten daher, solche Nischenthemen im Depot nicht zu hoch zu gewichten, ein solches Thema mit einem überschaubaren Anteil des Anlagekapitals beizumischen.


Anleger können in diesem jungen Segment unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Beispielsweise nimmt der ETF iShares Electric Vehicle (ISIN: IE00BGL86Z12) Autohersteller in den Fokus. Zu den aktuell größten Positionen zählen Tesla, Ford, BYD und Toyota, aber auch IT-Konzerne wie Nvidia (Grafikprozessoren) und Infineon (Halbleiter). Der Indexfonds hat in den vergangenen zwölf Monaten immerhin ein Fünftel an Wert gewonnen, wie Zahlen von Morningstar ergeben. Damit hat er besser abgeschnitten als Technologieaktien in der Breite, die knapp 14 Prozent zulegten. Das IT-Segment des Weltaktienindex MSCI World stieg allerdings mit gut 31 Prozent stärker.

Etwas weniger Auto und mehr IT-Technologie bietet der xtrackers Future Mobility (IE00BGV5VR99). Unterthemen wie autonomes Fahren, Batterien, 3D-Grafik und optische Sensoren haben im Fonds ein relativ hohes Gewicht. Der ETF legte im vergangenen Jahr gut 18 Prozent zu. Der L & G Battery Value Chain (IE00BF0M2Z96) wiederum setzt – wie der Name bereits verrät – insbesondere auf Speichertechnologie und Minenunternehmen, die zum Beispiel Lithium abbauen. Deswegen hat Australien mit 7,6 Prozent ein relativ hohes Gewicht im Fonds, nach Japan, den USA und Südkorea. Der ETF stieg im vergangenen Jahr gut 19 Prozent im Wert. Das Zukunftsthema E-Mobilität wäre indes über jeden Fonds abgedeckt.


ZITATE FAKTEN MEINUNGEN
Die Batterie ist der Dreh- und Angelpunkt im Kampf gegen den Klimawandel.

Philipp Stumpfegger Analyst DJE Kapital


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