Es braucht mehr kurzfristige Pläne, um die Energieziele zu erreichen

7. April 2022

Der Krieg in der Ukraine verstärkt die Dringlichkeit, mehr auf grüne Gase zu setzen, um unabhängiger von Russland zu werden und die Dekarbonisierung im Energiesektor voranzubringen. Die derzeitigen Pläne reichen laut Branchenvertretern aber nicht aus, um die Ziele zu erreichen. Der neue Initiativenplan der Europäischen Kommission, REpowerEU, wurde am 06.04.2022 bei einer online Veranstaltung von EUROGAS mit Vertretern der Kommission und der Branche diskutiert.

Laut Tatiana Uriarte, Kabinettsmitglied der EU-Kommissarin für Energie Kadri Simson, führt der Krieg zu keiner nennenswerten Anpassung des Fit for 55 Plans. Jedoch erhöht er den Druck im Energiesektor, auf grüne Gase umzusteigen. Die derzeitig hohen Erdgaspreise werden als Investitionsanreiz gesehen, da sie Biogas und erneuerbaren Wasserstoff konkurrenzfähig machen. Solche Anreize sind notwendig, für die Erreichung des ambitionierten Ziels, den Gasverbrauch bis 2030 um 30% zu senken und bis zum Jahresende 100 Mrd. m3 an Gasimporten aus Russland zu ersetzen. In dem Fit for 55 Paket werden die Maßnahmen für die Erreichung der Ziele genauer erläutert. Anfang Mai plant die Kommission die Herausgabe eines konkreten europaweiten Energiesparplans, der Details zu kurzfristigen Schritten beinhaltet.

Uriarte betont, dass die Investitionsanreize zurzeit sehr vom volatilen Erdgaspreis abhängig sind. Um diese Abhängigkeit zu reduzieren, arbeitet die Kommission an einer Plattform, die Gaseinkäufe erleichtern und eine europäische Zusammenarbeit bei der gemeinsamen Anschaffung ermöglichen soll. Der Fokus liegt hierbei auf LNG und Biogas sowie auf erneuerbarem Wasserstoff. Weiters arbeitet die Kommission an einem Vorschlag zur Reduktion von Tarifen auf Fernleitungs- und Einspeisungsebenen.

Konkretere Pläne für Einsatz und Förderungen von Wasserstoff und Biogas fordern unter anderem Marcus Newborough, Development Director von ITM Power, und Giulia Cancian, Secretary General des Europäischen Biogas Verband (EBA).  Newborough kritisiert, dass für den Einsatz von Wasserstoff noch konkrete Konzepte ausständig sind. Neben der Industrie und dem Mobilitätssektor könne Wasserstoff in fast jedem anderen Bereich eingesetzt werden, der an die Gasversorgung angeschlossen ist. Cancian fordert mehr Fokus auf den Bereich der Marktregulierung und schnellere Autorisierungen von Biogasanlagen, um eine nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit zu schaffen.

Neben den nachhaltigen Gasen ist LNG ein wichtiges Element für die Unabhängigkeit von Russland. Herausforderungen sind jedoch die zu wenig ausgebaute Infrastruktur für LNG sowie die Laufzeit der Verträge, so Roxana Caliminte, Deputy Secretary General von GIE Gas Infrastucture Europe. Als Beispiel führt sie die USA an, deren LNG Kapazität ausgeschöpft ist und erhöhte Produktion nur durch Investitionen ermöglicht werden kann. Ohne langfristige Verträge werden diese Investitionen jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht getätigt werden.

Newborough und Cancian merken beide an, dass der Plan REowerEU eine wichtige Komponente nicht berücksichtigt. Die Stimulierung der Nachfrage. Man müsse mehr tun, um die Industrie zu einem Energieumschwung zu bringen. Das alleinige Angebot der Technologien und die Produktion grüner Gase ohne deren Nutzung seien nicht ausreichend zur Erreichung der vorgeschlagenen Ziele.

Autorin: Lena Mittermair, AGCS Gas Clearing and Settlement AG

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