Für Uniper wird der Ukraine-Krieg zur Unternehmenskrise

4. März 2022, Düsseldorf/Kiew/Moskau
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Der Energiekonzern Uniper rückt in diesen Tagen in den Fokus – allerdings nicht im positiven Sinne. Denn für das MDax-Unternehmen aus Düsseldorf ist sein Engagement in Russland vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs eine schwere Last. Was bei Uniper los ist, was die Aktie macht und die Analysten sagen.

DAS IST LOS BEI UNIPER:

Der Stromerzeuger Uniper steht ziemlich allein auf weiter Flur. Denn während sich zahlreiche Unternehmen und darunter auch europäische Energiekonzerne und Versorger angesichts des Angriffs auf die Ukraine von geschäftlichen Aktivitäten in Russland distanzieren, bleibt Uniper zögerlich.

Der militärische Einmarsch werde „aufs Schärfste verurteilt“, aber als Energieunternehmen müsse man weiterhin seiner Verantwortung gegenüber den Kunden gerecht werden. „Indem wir dazu beitragen, die Versorgung mit Gas und Strom in Deutschland und Europa zu sichern“, sagte ein Unternehmenssprecher der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ Mitte der Woche. Auch habe man eine Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern. „Daher werden wir unser Geschäft in Russland weiter verantwortungsvoll betreiben.“

Ohne erhebliche Verluste in Kauf zu nehmen, bleibt dem Unternehmen wohl auch wenig anderes übrig. Denn: „Russland ist einer der wichtigsten Märkte von Uniper“, so der Konzern. In dem Land tritt der Konzern unter dem Namen Unipro auf. An der Tochter sind die Düsseldorfer mit 84 Prozent beteiligt. Das Portfolio in Russland besteht aus den fünf Kraftwerken Berezovskaya, Surgutskaya, Smolenskaya, Shaturskaya und Yaivinskaya. Die Erzeugungsaktivitäten umfassen vor allem Erdgas, aber auch Stein- und Braunkohle und decken laut Uniper fünf Prozent des russischen Strombedarfs. Letztes Jahr hat das Geschäft fast ein Fünftel des bereinigten Ergebnisses vor Zinsen und Steuern (EBIT) von Uniper ausgemacht.

Das Unternehmen ist zudem laut dem Analysehaus Berenberg der größte Importeur von russischem Gas. Mit dem russischen Gaskonzern Gazprom verbindet das Unternehmen dabei eine jahrzehntelange Partnerschaft.

Doch es ist nicht nur das operative Geschäft in Russland, das Uniper Probleme bereitet. Es stehen außerdem auch noch knapp eine Milliarde Euro im Feuer, die Uniper in die Gaspipeline Nord Stream 2 investiert hat. Der Genehmigungsprozess für diese wurde von der deutschen Bundesregierung nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine auf Eis gelegt. Der deutsche Öl- und Gaskonzern Wintershall Dea hat bereits bekannt gegeben, seinen Anteil von ebenfalls einer Milliarde Euro abzuschreiben. Vor wenigen Tagen hat die Betreibergesellschaft von Nord Stream 2 Insolvenz angemeldet.

Und auch Unipers finnischer Großaktionär Fortum blieb bei seiner Bilanzpressekonferenz mit klaren Reaktionen eher vage. Eine Fortsetzung des „business as usual“ sei „keine Option“. Alle neuen Investitionsprojekte in Russland seien gestoppt worden, hieß es. Die Gaslieferungen liefen aber normal weiter.

APA/dpa-AFX

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