Wohin die Reise bei den Preisen geht

8. März 2022

Inflation auf Rekordkurs. Die Februar-Teuerung ist so hoch wie seit 38 Jahren nicht. Dabei sind mögliche Kriegsfolgen für Rohstoff- und Energiepreise noch gar nicht eingerechnet

Im Februar 2021 lag die Inflation bei kaum spürbaren 1,2 Prozent. Die Teuerung war medial kein Thema, Corona dominierte alles.

Ein Jahr später: Corona ist kaum mehr Thema, der Krieg in der Ukraine dominiert alles. Die Inflation in Österreich dürfte bereits 5,9 Prozent betragen, so die Schätzung der Statistik Austria. Das wäre die höchste Inflation seit November 1984. Und der Krieg in der Ukraine, genauer seine wirtschaftlichen Folgen auf die Preise – vor allem für Rohstoffe oder Energie –, ist da noch gar nicht eingerechnet.

Ein Blick auf die Preistreiber illustriert, wohin die Reise noch gehen kann. Auch Ökonom Josef Baumgartner, Inflationsexperte am Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo muss seine Prognose kräftig nach oben anpassen. Statt 3,3 Prozent Inflation für das Gesamtjahr 2022 erwartet Baumgartner nun einen Wert in der Größenordnung von fünf Prozent – und monatliche Werte von rund sieben Prozent im März und April. Es zeigt sich:
Ölpreis in kürzester Zeit schon über 110 DollarDie Rohölpreise steigen und steigen. Hatte die für Europa maßgebliche Nordseesorte Brent noch in der Vorwoche die 100-Dollar-Marke im Visier, so kostete ein Fass Brent am Mittwoch bereits 111 Dollar, zeitweise sogar 113 Dollar. Das schlägt erfahrungsgemäß schnell auf die Sprit-Preise durch.
Gaspreis stieg in Rekordzeit auf Rekordhoch Auch der Gaspreis kennt kein Halten. Im langjährigen Mittel bewegte er sich laut Vergleichsportalen zwischen 10 und 25 Euro je Megawattstunde (MWh). Aktuell wird eine Megawattstunde bereits für rund 195 Euro gehandelt. Hier dauert es aufgrund der längerfristigen Bindungen etwas länger, bis die Preise für die Haushalte nachziehen, aber es wird geschehen.

Rekordpreise auch an den Zapfsäulen Beim Tanken sehen die Autofahrer den Öl-Preisschub der vergangenen Wochen ganz konkret. Laut ÖAMTC mussten im Monatsdurchschnitt 1,480 Euro je Liter Super – und damit um 6,5 Cent mehr als noch im Jänner – gezahlt werden. Diesel lag im Schnitt bei 1,472 Euro je Liter, ein Plus von 6,8 Cent gegenüber dem Jänner (siehe auch Geschichte rechts)

Das heißt: „Während beim Diesel beinahe laufend neue Tageshöchstwerte zu verzeichnen sind, liegt der Preis für Super noch unter dem vom ÖAMTC bisher beobachteten Höchstwert aus 2012. Mit Blick auf die steigenden Rohölpreise ist jedoch auch hier bald mit Rekordwerten zu rechnen“, sagt der Autofahrer-Klub.

Die Europäische Zentralbank in der ZwickmühleIn ganz Europa steigen die Preise, Österreich steht mit der Inflationsentwicklung natürlich nicht alleine da. In der Eurozone mit ihren 19 Mitgliedsländern ist die Inflation jetzt ebenfalls auf 5,8 Prozent gesprungen und ist damit bereits gefühlte Lichtjahre vom EZB-Zielwert von zwei Prozent entfernt. Ein Kurswechsel in der Zinsepolitik wird diskutiert, aber immer mehr Experten sehen auch die Zwickmühle, in der die EZB steckt: Sie sollte die Zinsen anheben, um die Inflation zu dämpfen. Darf aber gleichzeitig nicht die Konjunktur vollends abwürgen, denn die bis vor kurzem erhofften hohen Wachstumsraten kann sich die EU nun ohnehin abschminken.

In Österreich werden WIFO und IHS am 25. März ihre Prognose für 2022 massiv senken. Eine Hochkonjunktur mit einem Wachstum um fünf Prozent hielten sie bis Kriegsausbruch für möglich – nun fürchten viele eine Rezession. Ob der wirtschaftliche Worst Case eintritt, hängt vom Kriegsverlauf ab.
„Ich rechne für März und April mit dem vorläufigen Höhepunkt der Inflation von rund sieben Prozent“

von Josef Baumgartner,WIFO

Kurier

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