IfW: US-Ölembargo gegen Russland ohne EU nur symbolisch

10. März 2022, Kiel/Kiew/Moskau

Das US-Importverbot für russisches Öl schadet nach Einschätzung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft der Wirtschaft Russlands kaum. Sehr viel wirksamer werde ein Ölembargo erst, wenn sich auch die EU daran beteilige, heißt es in einer Mitteilung vom Mittwoch nach entsprechenden Modellrechnungen im Institut.

„Der Importstopp von russischem Öl durch die USA mag symbolisch von hoher Bedeutung sein“, sagte IfW-Handelsforscher Hendrik Mahlkow. „Einen ökonomischen Schaden bei der russischen Wirtschaft verursacht er praktisch nicht und hat daher auch keine unmittelbaren Auswirkungen auf die finanziellen Handlungsspielräume Wladimir Putins.“

Ein Importstopp für russisches Öl durch die USA, Großbritannien und Kanada würde demnach die russische Wirtschaftsleistung langfristig nur um rund 0,2 Prozent ihrer Wirtschaftskraft schmälern. „Die USA importieren nur 4 Prozent ihres Öls aus Russland (6,7 Mrd. Dollar). Durch die Förderung von Schieferöl exportieren die USA mehr Öl, als sie importieren, und können ihren eigenen Ölbedarf komplett decken“, so das IfW.

Sehr viel wirksamer werde ein Ölembargo erst mit EU-Beteiligung. „In diesem Fall sinkt Russlands Bruttoinlandsprodukt in der Simulation dauerhaft um 1,2 Prozent“, heißt es bei dem Forschungsinstitut. Jedoch wäre ein solcher Schritt für die EU teuer, weil einzelne Mitgliedsländer langfristig ebenfalls wirtschaftliche Einbußen hätten. Diese reichten etwa im Fall Estland bis zu 1,1 Prozent.

Deutschland wäre mit einer auf Dauer um 0,2 Prozent geringeren Wirtschaftskraft relativ gering betroffen, so das IfW. Ein Ölembargo gegen Russland brauche die Beteiligung der EU, um zu wirken, sagte Mahlkow. „Auch wenn die langfristigen Schäden für westliche Länder wie Deutschland nur sehr moderat sind, dürfte ein solcher Schritt kurzfristig zu Verwerfungen und hohen Preissprüngen führen.“

APA/dpa

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