Das Umdenken hat längst begonnen

6. April 2022, Bezirk Horn

Investitionen in erneuerbare Energien steigen. Meiseldorf hat Klimaziel von 2030 schon jetzt erreicht.

Energieversorgung in NÖ

Die Kosten für Strom und Gas schnellen rasant in die Höhe. Zusätzlich verunsichert der Ukraine-Krieg die Bevölkerung und Lieferprobleme bei Rohstoffen und Materialien können derzeit die Umsetzung klimafreundlicher Energieprojekte gefährden.

Die ersten Schritte wurden rechtzeitig gesetzt

Rechtzeitig wurde der Schritt zur klimafreundlichen Stromproduktion in der Gemeinde Langau gesetzt. Hier wurden die Dächer öffentlicher Gebäude wie Freizeithaus, Bauhof und Kläranlage mit Photovoltaik-Paneelen ausgestattet. „Im Hinblick auf die aktuelle Lage und die Preisentwicklung war dies auf jeden Fall die richtige Entscheidung“, gibt sich Bürgermeister Franz Linsbauer zufrieden mit der Umsetzung des Projektes und hebt besonders das Bürgerbeteiligungsmodell hervor, bei dem innerhalb von 24 Stunden alle 464 Paneele vergeben waren. „Das zeigt, dass sich die Bevölkerung mit dem Modell identifiziert und ein Mehrwert für unsere Region daraus geschöpft werden kann“, ist Linsbauer zuversichtlich für zukünftige Projekte, wie eine Energiegemeinschaft. „So sind wir sicher, dass wirklich grüner Strom durch unsere Leitungen fließt und die Haushalte in unserer Region versorgt werden können.“
Linsbauer ist nicht abgeneigt, weitere Dachflächen für die Installation von Photovoltaik-Anlagen prüfen zu lassen, um eine optimale Auslastung zu erreichen.

Bereits seit einigen Jahren wird in der Gemeinde Meiseldorf massiv in erneuerbare Energie investiert, konkret in Photovoltaik-Anlagen. Mit großen Schritten ist Bürgermeister Nikolaus Reisel auf dem Weg, mit Meiseldorf zur Vorbildgemeinde zu werden. „Wir sind die erste Gemeinde in Niederösterreich, die das Energieziel schon jetzt erfüllt, das für 2030 angestrebt wird“, setzt Reisel mit PV-Freiflächen darauf, unabhängig von kriegstreibenden Parteien zu sein und die Region autonom mit Strom versorgen zu können. Mit dieser „Sonneninsel“ würde die Produktion von 1,7 Megawatt Strom gewährleistet werden. Außerdem müssten die Grünflächen nicht zubetoniert werden.
„Wir haben uns schon vor vielen Jahren auf den richtigen Weg gemacht. Besonders wichtig ist es auch, die Bürger mit ins Boot zu holen. Schließlich investieren wir Geld in unsere Wirtschaft und in unsere Zukunft“, verweist Reisel auf unterschiedliche Projekte zum Klimaschutz, etwa einen E-Mobilitätsbus für den Schülertransport oder der Installation von Wärmepumpen bei einem Großteil der Neubauten.

Privatbereich: Die Nachfrage steigt rasant

Doch auch im Privatbereich ist die Nachfrage nach der In-stallation erneuerbarer Energieformen gewachsen.
Dies bestätigt auch Markus Neumayer, PV-Spezialist aus Eggenburg: „Wir haben vernünftig und vorausschauend bestellt, sodass wir jene Aufträge, die bereits im Vorjahr eingelangt sind, auch zur Zufriedenheit der Kunden abarbeiten können. Auch wenn es manchmal personalbedingt zu Verzögerungen kommen kann.“ Die Nachfrage sei gestiegen, es kämen sehr viele Anfragen, doch die müssten vertröstet werden. „Wer sich jetzt entschließt, eine Photovoltaik-Anlage installieren zu lassen, der muss schon mit längeren Wartezeiten und auch mit Preiserhöhungen rechnen. Die weitere Entwicklung am Markt ist für uns nicht absehbar.“

„Photovoltaik kann (fast) jeder nutzen“

Seit rund 15 Jahren arbeitet Renate Brandner-Weiß ehrenamtlich beim Energiestammtisch und hauptberuflich als Energieberaterin. Sie empfiehlt, die drei Bereiche Wärme, Strom und Mobilität unter die Lupe zu nehmen. „Wir vom Energiestammtisch sehen uns als niederschwellige Möglichkeit und Ansprechpartner in der Region. Wir helfen entweder direkt weiter oder vermitteln. Und wir beantworten insbesondere die Fragen, wie man es angeht, egal ob bei Strom, Wärme oder bei der Mobilität“, setzt Brandner-Weiß in erster Linie auf Information. „Photovoltaik, also Strom aus Licht, ist etwas, das fast jeder nutzen kann. Entweder selbst am Dach oder im Garten oder via Bürgerbeteiligung an größeren Projekten“, setzt die Energieberaterin auf Handeln: „Wir brauchen mehr ernsthafte, differenzierte Diskussionen statt schöner Schlagzeilen und dem Warten auf die eine technische Lösung. Jeder einzelne kann etwas tun und so Schritt für Schritt Teil der Lösung sein bzw. werden.“

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