So viel verdienen die Energiekonzerne

10. Mai 2022
Energiebörse-Chef sieht funktionierende Preisfindung am Strommarkt - Lassee, APA/THEMENBILD

Preisausschläge. Während die Kosten für Konsumenten stark gestiegen sind, schreibt zumindest ein Teil der Unternehmen satte Gewinne. Nun könnte es darauf eine Sondersteuer geben.

Teures Gas, teurer Strom, teurer Sprit. Nach Berechnung der Österreichischen Energieagentur war Haushaltsenergie im März um insgesamt 42 Prozent teurer als im Jahr davor. Derweil steigen international die Profite der Energiekonzerne. Viele Konsumenten fühlen sich abgezockt. Bei näherem Hinsehen zeigt sich aber ein differenzierteres Bild in der Branche (siehe Grafik). Der KURIER hat recherchiert, woran die teils massiven Unterschiede liegen.

Die Großhandelspreise sind im Vorjahr stark gestiegen. Zunächst, weil die Nachfrage mit dem Auslaufen der Corona-Beschränkungen in vielen Ländern deutlich zulegte. Der Ukraine-Krieg hat zu einem weiteren Ausschlag geführt.

Sondersteuer

Die EU-Kommission hat den Mitgliedsstaaten Vorschläge gemacht, wie sie die Verbraucher entlasten können, ohne den Wettbewerb zu verzerren. Darunter findet sich neben Beihilfen und Zuschüssen auch die Möglichkeit von Sondersteuern auf unerwartete Profite (sogenannte „windfall profits“). Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) hat sich zuletzt dafür ausgesprochen, das Finanzministerium prüft den Vorschlag (siehe unten).

Die Energieversorger argumentieren, dass sie die Gewinne für Investitionen in den Erneuerbaren-Ausbau brauchen. Auch profitiere der Staat als Miteigentümer sowohl von der Dividende als auch von der mit den Umsätzen gestiegenen Steuerleistung.

Des einen Freud’…

Bei den österreichischen Energieunternehmen zeigt sich: Mit den höheren Marktpreisen steigen durchwegs die Umsätze, die Gewinne entwickeln sich aber nicht immer im Gleichschritt. Der größte Profiteur der hohen Gaspreise war die OMV (siehe Grafik). Sie hat langfristige Lieferverträge mit der russischen Gazprom und konnte das Gas im vergangenen Jahr deutlich teurer als zuletzt weiterverkaufen. Auch Österreichs größter Stromkonzern Verbund ist auf Rekordkurs. Für heuer erwartet das Unternehmen einen Gewinn von bis zu zwei Milliarden Euro. Denn etwa 95 Prozent der konzerneigenen Produktion kommen aus Wasserkraft, und die Produktionskosten sind also deutlich weniger gestiegen als die Einnahmen.

Ein differenziertes Bild zeigt sich, soweit vergleichbare Zahlen bereits vorliegen, bei den Regionalversorgern. Den größten Gewinnzuwachs verzeichnete die niederösterreichische EVN. Dieser geht aber weniger auf einen Anstieg des operativen Gewinns (EBIT) denn auf Einmaleffekte wie den Verkauf der Anteile an einem deutschen Kohlekraftwerk zurück. Bei Österreichs größtem Landesversorger Wien Energie ist der Gewinn hingegen deutlich eingebrochen. Der Grund ist, dass etwa 60 Prozent der Strom- und Wärmeproduktion des Unternehmens auf Erdgas zurückgehen – und dieses war zuletzt eben teuer. Dazu kommen die gestiegenen Preise für CO₂-Zertifikate, die Wien Energie für das Verbrennen von Gas bezahlen muss. Diese Kosten der Gas-betriebenen Fernwärme spürt auch die Energie Steiermark. Dazu kommt, dass das Unternehmen einen Teil seiner Kraftwerke im Gegenzug für Bezugsrecht an den Verbund abgetreten hat und deswegen mehr Strom zukaufen muss.

Kurier

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