Uniper nimmt KfW-Kreditlinie in Anspruch, Erhöhung beantragt

18. Juli 2022, Düsseldorf
Der Kreditrahmen sei damit vollständig ausgeschöpft
 - Salzburg, APA/THEMENBILD

Der wegen der hohen Gaspreise infolge des Ukraine-Krieges in Bedrängnis geratene Gaskonzern Uniper zapft seine verbleibenden Liquiditätsreserven an und wendet sich mit weiterem Liquiditätsbedarf an den deutschen Staat. Die bestehende Kreditfazilität der staatlichen KfW in Höhe von 2 Mrd. Euro sei nun in Anspruch genommen worden, der Kreditrahmen damit ausgeschöpft, teilte Uniper mit. Der Konzern habe einen Antrag auf Erhöhung der bestehenden KfW-Kreditfazilität gestellt.

Dies geschehe zusätzlich und eigenständig zu den beantragten Stabilisierungsmaßnahmen. Als Grund wurden die weiter andauernden Gespräche mit der deutschen Regierung genannt. Es sei derzeit nicht absehbar, wann diese abgeschlossen werden können.

Der Druck auf die deutsche Regierung, ein Rettungspaket für die Tochter des finnischen Fortum-Konzerns zu schnüren, dürfte zunehmen. Uniper hatte die Kreditlinie mit der KfW-Bankengruppe Anfang Jänner angesichts des sich damals anbahnenden Ukraine-Kriegs und den damit verbundenen Schwankungen an den Rohstoffmärkten vereinbart und sie Ende März vorsichtshalber bis Ende April 2023 verlängert.

Der Konzern steht wegen der ausbleibenden russischen Gaslieferungen unter Druck. Er muss zur Erfüllung seiner Verträge teureres Gas am Markt einkaufen, was zu Liquiditätsproblemen führt. Nach Aussagen von Firmenchef Klaus-Dieter Maubach erfährt Uniper tägliche Mittelabflüsse im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Außerdem hat das Unternehmen vergangene Woche begonnen, Gas aus seinen selbst genutzten Speicherkapazitäten zu entnehmen. Auch dies geschehe aus Liquiditätsgründen und zur Erfüllung von Verträgen.

Unterdessen arbeitet die Regierung an einem Hilfspaket für Uniper. Das Unternehmen hatte zuletzt bei der der deutschen Regierung einen Antrag auf Stabilisierungsmaßnahmen gestellt. Laut dem Vorsitzenden des Konzernbetriebsrats, Harald Seegatz, droht Uniper die Insolvenz innerhalb weniger Tage. „Es ist klar, dass Uniper nicht wochenlang warten kann, sondern in wenigen Tagen Hilfe braucht“, sagte das Aufsichtsratsmitglied der Nachrichtenagentur Bloomberg am Freitag. Wie diese Hilfe jedoch aussehen wird, ist noch unklar.

Nicht zuletzt Uniper und sein finnischer Mehrheitseigentümer Fortum sind sich darüber uneins. Fortum schwebt eine Restrukturierung Unipers vor – mit dem Ziel, eine Versorgungssicherheitsgesellschaft im Eigentum des deutschen Bundes zu gründen. Der Konzern hält 78 Prozent an Uniper und gehört selbst zu mehr als 50 Prozent dem finnischen Staat.

Uniper reichte hingegen bei der deutschen Regierung einen Vorschlag ein, der unter anderem Eigenkapital-Komponenten enthält, durch die sich der deutsche Bund an Uniper beteiligen könnte. Zudem sieht der Vorschlag eine Aufstockung der KfW-Kreditlinie vor. Analysten erwarten in Kürze eine Lösung.

Die Kommentare Finnlands und seitens Fortum seien „nach dem Treffen konstruktiv“ gewesen, die Verhandlungen aber in einer heiklen Phase, schrieb beispielsweise JPMorgan-Analyst Vincent Ayral am Freitag. Wahrscheinlich werde abgewartet, ob nach dem Wartungsstillstand von Nord Stream 1, Russland wieder Gas durch die Pipeline schickt.

Voraussichtlich noch bis 21. Juli wird die für Deutschland wichtige Pipeline Nord Stream 1 gewartet, sodass kein Gas mehr durch die Röhren unter der Ostsee fließt. Aber schon davor drosselte der russische Staatskonzern Gazprom die Lieferungen auf 40 Prozent und begründete das mit einer fehlenden Turbine. Die deutsche Regierung hält das Argument für vorgeschoben und befürchtet, dass auch nach der Wartung kein Gas mehr durch Nord Stream 1 fließt. Ob nach dem 21. Juli wieder Gas fließen wird, ist ungewiss.

Das Ausmaß der Unterstützung für Uniper dürfte vom Zeitpunkt und der Gas-Durchleitungsmenge abhängen, ergänzte Analyst Ayral. Sein Kollege Alberto Gandolfi von der US-Investmentbank Goldman Sachs hält eine Entschädigung für die bisherigen Verluste indes für unwahrscheinlich.

APA/dpa

Ähnliche Artikel weiterlesen

Polen sagt Deutschland Öllieferungen für Schwedt zu

2. Dezember 2022, Berlin/Warschau
Die PCK-Raffinerie in Schwedt
 - Schwedt/Oder, APA/dpa

D – Nachbesserungen bei Preisbremse gefordert

1. Dezember 2022, Berlin

D – Ampel-Politiker wollen Nachbesserungen bei Preisbremse

1. Dezember 2022, Berlin

IEA warnt vor Fracking in Deutschland

1. Dezember 2022, Berlin/Paris
IEA-Chef Fatih Birol
 - Prague, APA/AFP