Stadtwerke schließen geheime Zuschüsse aus

6. September 2022, Wien

FPÖ: Zwei Milliarden für Wien Energie aus Cash-Pool

Wie viel Geld hat die Stadt Wien in den landeseigenen Energieversorger schon hineingepumpt? Das ist eine der großen Fragen in der Causa Wien Energie. Bisher bekannt ist, dass Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) bereits zwei Kredite in Höhe von je 700 Millionen Euro für das Unternehmen freigegeben hat. Oder ist es möglicherweise schon mehr?
In Regierungskreisen besteht diese Vermutung. Hinter vorgehaltener Hand wird davon gesprochen, laut sagen will das niemand. Am Mittwoch hat dann die FPÖ Wien die Spekulationen über zusätzlich bereitgestellte Sicherheiten öffentlich gemacht. Demnach soll Wien Energie bereits zwei Milliarden Euro zusätzlich von anderen Unternehmen der Stadt Wien als Liquidität erhalten haben. Demnach wären es nicht 1,4, sondern 3,4 Milliarden Euro, die zugeschossen wurden.
Konkret geflossen sein sollen die Mittel über das „Cash-Pooling“: Dieses Instrument nutzen die Unternehmen, die im Eigentum der Wiener Stadtwerke sind, um konzernintern den Liquiditätsbedarf zu steuern. Bei Cash-Bedarf schießen sich die Betriebe einander kurzfristig Mittel zu. Zu den Stadtwerken gehören neben Wien Energie etwa die Wiener Netze, die Wiener Linien oder die Bestattung Wien.

Stadtwerke: „Schwachsinn“
Das Cash-Pooling ist nichts Außergewöhnliches – außer es wären ungewöhnlich große Kredite bereitgestellt worden. Laut FPÖ sollen in vier Tranchen je 500 Millionen Euro zu dem Energieversorger geflossen sein. Dokumente zum Beleg dieser Behauptung hat die FPÖ allerdings nicht vorgelegt.

Die Wiener Stadtwerke selbst stellen in Abrede, dass Mittel zur Absicherung der Termingeschäfte von Wien Energie aus dem Cash-Pooling geflossen sind. „Das ist Schwachsinn“, sagte Konzernsprecherin Marika Püspök dem STANDARD.
Insider vermuten, dass im Risikomanagement des Wiener Energieversorgers etwas falsch gelaufen sein könnte. Besonders die Tatsache, dass trotz steigender Strompreise und damit zunehmender Nachschussverpflichtungen so lange nicht Alarm geschlagen worden ist, sorgt für Kopfschütteln.

Für alle Töchter des Wiener-Stadtwerke-Konzerns gilt seit Februar 2020 eine neue Konzernrichtlinie zum Risikomanagement: Demnach ist die Geschäftsführung dafür verantwortlich, dass die Risikotragfähigkeit gewährleistet ist. Laut Internem Kontrollsystem (IKS) müssen die Unternehmen ihrem Aufsichtsrat oder Beirat den Status der Funktionsfähigkeit und Wirksamkeit ihres IKS berichten. Der Aufsichtsrat muss das überwachen. Das Problem: „Es sind immer dieselben Personen, die in unterschiedlicher Funktion Geschäfte machen und sich selbst überwachen“, wie ein Insider moniert.

Der Standard

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