Biogas: eine Schlüsseltechnologie

30. Jänner 2023

Meilenstein. Warum das Erneuerbare-Gase-Gesetz ein wichtiger Pfeiler für die Energieunabhängigkeit ist

Eine sichere Energieversorgung ist für alle Haushalte und Unternehmen ein hohes Gut. Folgerichtig wird versucht, an vielen Stellschrauben zu drehen, um die Energieabhängigkeit von Russland zu reduzieren und die Energieversorgung sicher langfristig zu stellen. „Die aktuelle Krise zeigt uns, dass es ein ’weiter wie bisher’ nicht geben kann“, sagt Bernhard Stürmer vom Kompost & Biogas Verband. Zwei wesentliche Handlungsoptionen können seiner Meinung nach die österreichische Abhängigkeit von russischem Erdgas drastisch reduzieren und dabei Wertschöpfung und Arbeitsplätze im Inland schaffen:

1.Reduktion des Gasverbrauchs
Neben der Wärmedämmung von Gebäuden kann Biomasse wesentlich zur Wärmeversorgung von Haushalten, Gewerbebetrieben und Industriebetrieben eingesetzt werden. „Kurzfristig kann eine verstärkte Holznutzung 20 Prozent des Gasverbrauchs ersetzen. Mittelfristig können Holz und Holzprodukte ein Drittel des derzeitigen Erdgasverbrauchs kompensieren“, so Stürmer.

2.Ersatz von Erdgas
Biogas kann technisch soweit gereinigt werden, dass es qualitativ dem russischen Erdgas gleichgestellt ist. „Kurzfristig kann Biogas 10 Prozent, mittelfristig 20 Prozent des aktuellen Gasverbrauchs ersetzen. Hinzu kommen langfristig die Potenziale aus Holzgas und grünem Wasserstoff“, sagt Stürmer.

Grüngas-Quote

Die Einigung der Regierung zum Erneuerbare-Gase-Gesetz stellt daher einen wichtigen Pfeiler für mehr Versorgungssicherheit und Energieunabhängigkeit dar. „Die Regierung bekennt sich mit diesem Gesetz zum Ausbau der inländischen Grüngasproduktion. Bis 2030 soll die Grüngasproduktion auf über 10 Prozent des aktuellen Gasverbrauchs angehoben werden“, so Stürmer. Das Erneuerbare-Gase-Gesetz sieht eine Grüngasquote vor, durch die Gasversorger verpflichtet werden, einen jährlich steigenden Anteil der von ihnen verkauften Gasmengen durch grüne Gase zu ersetzen. Stürmer: „Durch die geplante Quotenregelung und dem im Gesetz festgelegten Hochlauf der Grüngasproduktion entsteht auch die nötige Planungssicherheit für Grüngas-Produzenten. Um das Mengenziel zu erreichen, müssen rund 4,5 Milliarden Euro investiert werden. Gut angelegtes Geld, wenn man bedenkt, dass von jedem Euro, der zum Beispiel in Biogasanlagen gesteckt wird, 95 Prozent im Inland verbleiben und der Ausbau der österreichischen Grüngas-Produktion inländische Wertschöpfung über Jahrzehnte hinweg sichert.“

Ausblick

Die Regierungsvereinbarung zum Erneuerbare-Gase-Gesetz soll nun rasch in den Gesetzesentwurf eingearbeitet und in Begutachtung gesandt werden. Anschließend gilt es für die notwendige Verfassungsmehrheit, den Konsens der beiden Regierungsparteien, auch in den parlamentarischen Prozess mitzunehmen und mit weiteren Parteien abzustimmen. Stürmer: „Sobald das Gesetz in Kraft getreten ist, werden einerseits Gasbranche und Erzeugerbranche in Verhandlungen bzgl. der Aufbringung von erneuerbaren Gasen treten, die Planungen vertiefend fortgesetzt und andererseits ist von der Branche bei den Banken noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten, damit Grüngasprojekte finanziert werden können. Immerhin geht es um Investitionen von rund 4,5 Mrd. Euro. Die Servicestelle für Erneuerbare Gase wird im Prozess unterstützend mitwirken und zudem soll die Forschungsstrategie die Weiterentwicklung der notwendigen Techniken gemeinsam mit der Branche vorantreiben.“

Kurier

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