Strom selbst erzeugen und so Geld sparen

16. Mai 2023

Gnas startet nachhaltige regionale Energiegemeinschaft mit dem Strom, den die gemeindeeigenen PV-Anlagen erzeugen. Bürgerbeteiligung soll Ausbau finanzieren.

In Gnas startet ein ambitioniertes Vorhaben, das Signalcharakter haben soll. Selber Strom zu erzeugen und im Rahmen einer Energiegemeinschaft regional zu nutzen, das wird in der Gemeinde demnächst Realität.

Seit 2021 macht das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) diesen Austausch möglich. Der Strom geht also nicht ins Netz, sondern wird innerhalb von insgesamt 130 Objekten der Marktgemeinde von den Bildungseinrichtungen über die Feuerwehren bis zur Kläranlage ausgetauscht beziehungsweise verbraucht. Von den 180 Zählpunkten der Gemeinde werden dafür 130 gepoolt, wie Alois Niederl, Obmann der Erneuerbaren Energiegemeinschaft Gnas (EEG), erläutert. Derzeit erfolgen dafür die letzten Umsetzungsschritte.

DieVorteile liegen für Bürgermeister Gerhard Meixner auf der Hand: „Beitrag zum Klimaschutz, regional unabhängig werden und natürlich der Kostenfaktor“. Innerhalb der Gemeinschaft kann der Preis selbst bestimmt werden, und weil nur die lokalen Netzebenen der Energienetze (4 bis 7) genutzt werden, wie Niederl erläutert, erspart man sich einen Teil der Netzgebühren.

Man wird einen Arbeitspreis von 14 Cent einstellen. Bei den Netzgebühren geht man davon aus, drei Cent einzusparen, bei den Abgaben zwei Cent (alles je Kilowattstunde). Das bedeutet eine deutliche Entlastung bei allen drei Teilen einer Stromrechnung.

Gestartet wird mit sieben bestehenden Photovoltaik-Anlagen der Gemeinde. Über Bürgerbeteiligungsprojekte will man zusätzlich Anlagen mit einer Leistung von insgesamt mehr als 1000 kWp errichten. Und das in kurzer Zeit. Das erste Finanzierungspaket für die PV auf der Mittelschule Gnas war binnen zwei Tagen verkauft. Beim jüngsten Landesligamatch des USV Gnas (am Freitag am Nachmittag) folgte die nächste Tranche für die Anlage auf dem Dach der Stadion-Tribüne. Im 14-Tage-Rhythmus geht es weiter (Details siehe Infokasten).

Betreut wird Gnas von der Firma Nobilegroup, deren Ziel es ist, dezentral nachhaltige Geschäftsmodelle für erneuerbare Energie auszurollen, wie Lorena Skiljan erläutert: „Wir helfen beim Gründen, Etablieren und der Tarifgestaltung. Es geht darum, wie man Erzeugung und Verbrauch am besten zusammenbringt.“ Man schaffe gewissermaßen einen Marktplatz für Strom. Die Vorarbeiten dauerten rund sechs Monate. Dabei hat man Stromerzeugung und -verbrauch der Gemeinde Gnas per Simulationstool untersucht.

Skiljan streicht als besonderen Vorteil heraus, dass man in der Gemeinschaft einen fairen, fixen und stabilen Preis festlegen kann.

Dass man auf Gemeindeebene startet, hat einen guten Grund: „Wir wollten schnell ins Fahren kommen. Auf kleiner Ebene kann man sehen, wie es funktioniert und eventuelle Kinderkrankheiten ausmerzen.“ Wenn die Energiegemeinschaft mit den 130 Zählpunkten gut läuft, will man sie sukzessive öffnen und Gewerbebetriebe und Bürger einbinden.

Für den Regionsvorsitzenden und ÖVP-Landtagsabgeordneten Franz Fartek ist die EEG ein willkommenes Vorzeigebeispiel für die Energievision der Region. Er hofft auf Nachahmer des Gnaser Hotspots für Energieautarkie.

Kleine Zeitung

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