Die Wut der Strom- und Gaskunden

5. Feber 2024

Nach den hohen Preisen im Vorjahr ist es nun die Undurchschaubarkeit der Strom- und Gasrechnungen, die die Telefone bei der E-Control heiß laufen lassen. Die Regulierungsbehörde fordert mehr Transparenz.

Der Ärger der Strom- und Gaskunden in Österreich über ihre Versorger reißt nicht ab. Einerseits ist eine beträchtliche Zahl von Haushalten trotz gesunkener Großhandelspreise noch immer mit hohen Vorschreibungen für ihren Strom- oder Gasbezug konfrontiert. Noch schwerer wiegt in manchen Fällen aber, dass die ins Haus flatternden Rechnungen schlicht nicht nachvollziehbar sind.

So ist es kein Wunder, dass die Beratungsstelle der E-Control 2023 mehr Anfragen zu bewältigen hatte als je zuvor. Insgesamt hat die für den Energiemarkt zuständige Regulierungsbehörde im Vorjahr an die 42.700 Anfragen und Beschwerden verzeichnet, 29 Prozent mehr als im bereits intensiven Jahr 2022. Die Schlichtungsstelle war mit 2480 Anträgen auf Streitschlichtung befasst, 35 Prozent mehr als im Jahr davor.

Auch Tarifkalkulator und Social-Media-Kanäle wurden auf der Suche nach sachdienlichen Informationen mehr genutzt als je zuvor. Das geht aus dem eben präsentierten Konsumentenschutzbericht 2023 hervor.

Was die brennendsten Themen betrifft, haben sich die in den vergangenen Monaten kaum verändert. Es seien vor allem die in vielen Fällen schwer durchschaubaren und häufig nicht nachvollziehbaren Rechnungen, die für Ärger sorgten.

Viele Konsumentinnen und Konsumenten seien nämlich im Vorjahr zum ersten Mal persönlich mit den seit dem Jahr 2022 massiv gestiegenen Energiepreisen konfrontiert gewesen – durch die ins Haus geflatterten Jahresabrechnungen, die meist hohe Nachzahlungen und auch höhere Vorschreibungen zur Folge hatten.

Stark gestiegenes Interesse

Was zuvor vergleichsweise wenige interessiert hat, interessierte plötzlich viele. Weil es trotz aufgestockter Callcenter schwierig war und mitunter noch immer schwierig ist, vom Energieversorger Aufklärung zu erhalten, haben sich umso mehr an die E-Control gewandt. Die Energieversorger seien angehalten, ihre Produkte einfacher zu gestalten und transparent zu halten, sagte der Chef der E-Control, Wolfgang Urbantschitsch. Informationen wie beispielsweise der Preis pro Kilowattstunde (KWh) sollten leicht zugänglich auf der Website zur Verfügung gestellt werden.

Auch sei es unverständlich, dass kaum ein Energieversorger wichtige Informationen mittels App zur Verfügung stelle. Am besten, weil auch am besten vergleichbar sei es, wenn auf Rabatte und freie Tage bei der Werbung um Kunden und Kundinnen verzichtet würde. Urbantschitsch: „Was liegt, das pickt.“

Von den Energieversorgern erwartet Urbantschitsch, dass diese nun von sich aus auf Kunden und Kundinnen zugehen, die trotz gesunkener Großhandelspreise noch in schlechten Verträgen – sprich 25 Cent pro KWh oder mehr – festsitzen. Sie sollten ihnen ein günstigeres Produkt anbieten.

Die Strompreisbremse wurde zwar unlängst bis Ende 2024 verlängert, ab Juli wird Haushalten vom Staat aber nur mehr die Differenz von zehn auf 25 Cent je 2900 m3 Jahresverbrauch ersetzt und nicht mehr von zehn auf 40 Cent wie bisher. Positiv sei, dass es wieder günstigere Angebote am Markt gebe, wie ein Blick in den Tarifkalkulator zeige.

Der Standard

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