Uniper mit neuem Selbstbewusstsein

1. März 2024, Düsseldorf
Blick in die Konzernzentrale in Düsseldorf
 - Düsseldorf, APA/dpa

Der in der Energiekrise verstaatlichte Versorger Uniper will nach einem Rückzug des deutschen Bundes aus eigener Kraft sein Wachstum vorantreiben. „Wir wollen nicht übernommen werden oder integriert werden in ein anderes Unternehmen“, sagte Vorstandschef Michael Lewis in einem am Freitag veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters. „Denn wir glauben, dass Uniper als ein eigenständiges Unternehmen einen besonderen Beitrag für die Energiewende liefern kann.“

Der größte deutsche Gaskonzern war in der Energiekrise 2022 in Schieflage geraten und verstaatlicht worden. Über 99 Prozent der Anteile liegen beim Bund. Damit konnte auch die für beide Seiten unglückliche Übernahme durch den finnischen Konkurrenten Fortum beendet werden.

„Ob die Bundesregierung an Bord bleibt mit einem gewissen Anteil oder andere Investoren Anteile an Uniper zeichnen, das ist grundsätzlich alles möglich“, sagte Lewis. Der Engländer hatte im vergangenen Jahr die Führung des deutschen Konzerns mit rund 7.000 Mitarbeitern übernommen. Dieser fährt inzwischen wieder Milliardengewinne ein.

Die EU-Kommission hatte die Verstaatlichung unter anderem an die Bedingung geknüpft, dass der Staat seine Beteiligung bis spätestens 2028 auf maximal 25 Prozent plus eine Aktie abschmilzt. Zudem muss Uniper bis Ende 2026 eine Reihe von Vermögenswerten verkaufen, darunter das umstrittene Steinkohlekraftwerk Datteln 4 in Nordrhein-Westfalen.

Uniper war durch den russischen Gaslieferstopp an den Rand der Pleite geraten. Im Sommer erwartet Uniper ein Urteil eines Schiedsgerichts, in dem der russische Gazprom-Konzern zu einer Entschädigung in mehrfacher Milliardenhöhe verpflichtet werden könnte. Das Geld würde dem Bund zufließen – für den unwahrscheinlichen Fall, dass Gazprom zahlen würde.

In Reaktion auf den Einmarsch Russlands in der Ukraine bezieht Uniper nach eigenen Angaben kein Gas mehr direkt aus Russland. Rein rechtlich bestehen Lewis zufolge noch langfristige Lieferverträge in einem Volumen von 250 Terawattstunden. Zum Vergleich: Mit der Menge könnten rein rechnerisch sämtliche Gasspeicher in Deutschland gefüllt werden.

Uniper will auch sein Geschäft mit Flüssiggas (LNG) weiter ausbauen. Der Konzern führe weiter Gespräche über mögliche Lieferverträge mit Qatar, sagte Lewis. Es gebe aber noch unterschiedliche Auffassungen unter anderem über die Laufzeit.

APA/ag

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