Gaspreisdeckel sollte Preissprünge verhindern

7. November 2022

E-Control-Chef auch für Gutscheinlösung

Energie. E-Control-Chef Wolfgang Urbantschitsch hat seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine in einigen Punkten umdenken müssen. Vor einem Jahr noch hätte er nicht gedacht, dass ein Eingriff in den Strommarkt nötig sein könnte. Nun habe sich aber herausgestellt, dass die Preisbildung nicht krisenfest ist, räumte Urbantschitsch am Mittwoch im Club der Wirtschaftspublizisten ein. Vor allem müsse man den Strompreis vom Gaspreis abkoppeln.

Transferleistungen

Angesichts der sprunghaft gestiegenen Energiepreise stünden auf der einen Seite Maßnahmen, um die Auswirkungen der hohen Kosten für Verbraucher und Unternehmen abzufedern. Dazu gehören die Senkung von Abgaben und Steuern, aber auch Gutscheine und Preisstützungen. Hier könne man die Treffsicherheit diskutieren. Eine der Lehren aus der Krise ist daher für den E-Control-Chef, dass es in Österreich eine Stelle brauche, wo die Daten über Einkommen, Haushaltsgrößen, Transferleistungen und ähnliches verknüpft werden, damit künftig die Politik entscheiden könne, wer wie viel Unterstützung erhält.

Auf der anderen Seite stehen für Urbantschitsch Markteingriffe. Etwa der auf EU-Ebene beschlossene, aber noch nicht wirklich definierte „Gaspreisdeckel“. Das in Spanien und Portugal eingeführte „iberische Modell“, das eine Subventionierung des für die Stromproduktion verwendeten Erdgases vorsieht, funktioniere im Wesentlichen, wenn man darauf achte, dass trotzdem Strom gespart und der subventionierte Strom nicht in andere Regionen verkauft wird.
Das auf europäischer Ebene diskutierte Modell, Gewinne über 180 Euro je MWh abzuschöpfen „kann ich zumindest nachvollziehen“, so Urbantschitsch. Die Maßnahme sei allerdings eine „politische Antwort“ auf die hohen Gewinne der Unternehmen und habe nichts mit Preisbildung oder Marktmechanismen zu tun. 180 Euro seien auch eher hoch angesetzt – Windräder erhielten zuletzt Einspeistarife von gut 90 Euro.

Kurier

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