Neuwagen in EU sollen ab 2035 emissionsfrei sein

29. Juni 2022, Luxemburg
EU-Einigung nach stundenlangen Verhandlungen
 - Sieversdorf, APA/dpa-Zentralbild

In der Europäischen Union sollen nach dem Willen der EU-Länder ab 2035 nur noch klimaneutrale Neuwagen verkauft werden. Darauf einigten sich die für Umwelt zuständigen Ministerinnen und Minister der 27 Staaten in der Nacht auf Mittwoch in Luxemburg. Ein finaler Kompromiss muss nun mit dem EU-Parlament ausgehandelt werden, das ein komplettes Aus für neue Autos mit Verbrennungsmotor ab 2035 will.

APA/dpa/Reuters

Bayern will Solardachpflicht für Industrie ab Jänner

28. Juni 2022, München

Bayern verpflichtet die Industrie zum Bau von Solardächern. Ab Jänner sollen neue Gewerbe- und Industriegebäude mit Solaranlagen ausgestattet werden, teilte die bayerische Staatsregierung am Dienstag mit. Für sonstige Nicht-Wohngebäude gelte der Stichtag 1. Juli 2023. Die Pflicht gelte auch dann, wenn nur das Dach erneuert werde. Für neu errichtete Wohngebäude sei in der neuen Bauordnung eine Soll-Bestimmung im Sinn einer Empfehlung vorgesehen.

APA/ag

Gaspreise im Großhandel sinken im Juli erstmals wieder

28. Juni 2022, Wien

Erdgas kostet im Juli erstmals seit Februar wieder weniger. Der Österreichische Gaspreisindex (ÖGPI), der die Gas-Großhandelspreise im Vorhinein anzeigt, sinkt gegenüber dem Juni um 8,7 Prozent. Verglichen mit dem Juli des Vorjahres liegt der Preis trotzdem um 311 Prozent höher. Auch seit Russland die Gaslieferungen drosselt, sind die Preise im Großhandel deutlich gestiegen.

APA

E-Control: Strom- und Gasverbrauch im Mai gesunken

28. Juni 2022, Wien
Weniger Gas wurde konsumiert
 - Stuttgart, APA/dpa

Sowohl der Strom- als auch der Gasverbrauch sind im Mai zurückgegangen. Gleichzeitig war auch die Stromproduktion in Österreich gegenüber dem Mai des Vorjahres rückläufig. Weniger Strom aus Wasser- und Windkraft, aufgrund von niedrigen Wasserständen und schlechteren Windverhältnissen, wurde durch vermehrte Stromerzeugung in kalorischen Kraftwerken ausgeglichen. Gleichzeitig wurde deutlich mehr Gas eingespeichert, teilte die Regulierungsbehörde E-Control am Dienstag mit.

APA

Energie Steiermark errichtete Windrad auf 1.440 Metern

28. Juni 2022, St. Kathrein am Offenegg/Graz

Die Energie Steiermark hat ihr jüngstes Kind in Sachen Energie mittels Wind in Betrieb genommen. Mit Kosten von rund 5,6 Mio. Euro wurde die alte Anlage auf der Sommeralm am Hang des Plankogel ersetzt. Das Windrad leistet rund 3,6 Megawatt und soll rund 3.000 Haushalte im sogenannten Almenland versorgen. Der Standort auf rund 1.440 Meter Seehöhe war 1999 der erste in der Steiermark. Im Gegensatz zu den westlichen Bundesländern setzt die Steiermark verstärkt auf Windkraft.

APA

Top Artikel der Woche

Teuerung: Wer wird wann und wie entlastet?

20. Juni 2022

Für Teile des 28 Milliarden Euro großen Antiteuerungspaket sollen bereits nächste Woche Gesetze beschlossen werden.

Obwohl die Regierung ihr Anti-Teuerungs-Paket erst am Mittwoch im Ministerrat beschlossen hat, schloss Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) weitere Maßnahmen wie etwa die Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel nicht aus, wie er in verschiedenen Zeitungsinterviews am Donnerstag erklärte. Diesbezüglich gebe es „keine Denkverbote“, man müsse aber darüber diskutieren, welche Lebensmittel davon erfasst sein sollen. Also nicht für Kaviar, dafür aber für Milch und Brot, sagte Nehammer unter anderem gegenüber der „Tiroler Tageszeitung“.

Der Nationalrat wird sich jedenfalls mit den ersten Teilen des Pakets bereits am Donnerstag in einer Woche mit dem 28 Milliarden Euro schweren Pakets auseinandersetzen. Geht es nach den Koalitionsparteien sollen bereits weite Teile des angekündigten Entlastungspakets noch im Juni beschlossen werden.

Teuerungsausgleich für vulnerable Gruppen

Bezieher von Sozialhilfe, Arbeitslosengeld, Ausgleichszulage, Studienbeihilfe, Übergangsgeld sowie Rehabilitations-, Kranken- und Wiedereingliederungsgeld bekommen – zusätzlich zu den bereits erfolgten Zahlungen in Höhe von jeweils 150 Euro – einen weiteren Teuerungsausgleich in Höhe von 300 Euro. Die Auszahlung soll ab September erfolgen. Darüber hinaus wird der Wohnschirm zur Unterstützung bei steigenden Wohnkosten und zur Verhinderung von Delogierungen um ein Volumen von 60 Mio. Euro aufgestockt. Gesamt entspricht dies einer Entlastung von 240 Mio. Euro.

Teuerungsabsetzbetrag in Höhe von 500 Euro

Damit insbesondere Erwerbstätige und Pensionisten mit niedrigen Einkommen entlastet werden, wird für das Jahr 2022 ein einmaliger „Teuerungsabsetzbetrag“ in Höhe von bis zu 500 Euro eingeführt werden. Die Begrenzung der Rückerstattung wird bei Arbeitnehmern einmalig von 55 auf 70 Prozent der Sozialversicherungbeiträge und bei Pensionisten von 80 auf 100 Prozent erhöht.

Damit können unselbständig Beschäftigte die volle Höhe des „Teuerungsabsetzbetrags“ bei einem monatlichen Bruttoeinkommen zwischen 1.100 Euro und 1.800 Euro in voller Höhe geltend machn. Bei Einkommen darüber und darunter erfolgt eine Einschleifregelung. Dies entspricht einer Entlastung von rund 1,5 Milliarden Euro.

Wiener Zeitung

voestalpine hat sich für Gasausfall gewappnet

24. Juni 2022, Wien/Kiew (Kyjiw)/Moskau

Europas Industrie ist derzeit noch stark von russischen Gaslieferungen abhängig. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs werden alternative Bezugsquellen gesucht und Speicher aufgefüllt. Der börsennotierte Stahlkonzern voestalpine hat sich für einen allfälligen Ausfall der Liefermengen gewappnet: "Auch für den Fall einer möglichen Reduzierung beziehungsweise eines gänzlichen Lieferstopps aus Russland ist der Konzern bestmöglich vorbereitet", teilte die Voest am Freitag mit.

APA

Boltz: Aus für Merit-Order-Prinzip brächte preislich wenig

10. Mai 2022, Wien

Auch ein Abgehen von der sogenannten Merit Order zur Strompreisbildung, wonach das jeweils letzte - in der Regel teuerste - (Gas-)Kraftwerk das Preisniveau bestimmt, würde nach Meinung des Energie-Experten Walter Boltz nicht viel ändern. Würde man stattdessen etwa ein Pool-Modell anwenden, würde es preislich "nicht um so viel besser", so Boltz im Radio. Zuletzt hatte die WKÖ eine Änderung des Prinzips verlangt, die AK machte sich für einen Gaspreisdeckel für Kraftwerke stark.

APA

„Der Staat sollte sich aus der OMV zurückziehen“

22. Juni 2022

Gerhard Roiss, das zweite Gespräch: Der ehemalige Generaldirektor der OMV plädiert dafür, dem Verbund-Konzern einen staatlichen Gasversorgungsauftrag zu geben und die OMV gleich vollständig zu privatisieren. Die Erlöse sollen die Universitäten bekommen. Und was wurde eigentlich aus dem Schiefergasfund in Niederösterreich?

profil: Herr Roiss, wir haben Anfang März ein Gespräch zur verfehlten Russland-Gasstrategie der OMV geführt. Das Interview sorgte für ziemlichen Wirbel. Hat Sie das überrascht?

Roiss: Durchaus. Ich habe weder mit der Breite noch mit dem Inhalt der Reaktionen gerechnet. Ich wollte mir etwas von der Seele reden, das mich sehr lange beschäftigt hat. Aber offenbar hat das Thema nicht nur mich bewegt.

profil: Fürs Protokoll: Der Unternehmer und frühere ÖIAG-Aufsichtsrat Siegfried Wolf hat Sie und profil damals in einer ersten Reaktion mit rechtlichen Schritten bedroht. Wir haben seither nichts mehr gehört. Sie?

Roiss: Nichts.

profil: OMV-Aufsichtsratschef Mark Garrett nannte die Investitionen in Russland nach 2015 jüngst einen Fehler, der nicht schönzureden sei. Ihrem Nachfolger an der OMV-Spitze Rainer Seele wurde bei der Hauptversammlung nachträglich und mehrheitlich die Entlastung für das Geschäftsjahr 2021 verweigert. Das hat es in der Geschichte der OMV so auch noch nicht gegeben.

Roiss: Es gibt für alles ein erstes Mal.

profil: Wir haben heute offenbar zwei Probleme in Österreich: die Abhängigkeit von russischem Gas und die Abhängigkeit von Gas an sich.

Roiss: Ersteres habe ich ja schon im Interview im März erläutert. Zur Abhängigkeit von Gas an sich müssen wir uns im Klaren darüber sein, dass wir einen Gaskonsum von 8,5 Milliarden Kubikmetern im Jahr nicht von heute auf morgen durch Windräder ersetzen können. Und das meine ich wirklich nicht zynisch. Gas ist noch auf Jahre gesehen alternativlos. Selbst wenn die Haushalte, das Gewerbe und die Industrie ihren Verbrauch reduzieren, werden wir weiterhin davon abhängig sein. Fehlt das Gas, kann die Düngemittelindustrie keinen Dünger mehr erzeugen, können die Bauern nicht mehr wie gewohnt ernten, können viele Bäcker kein Brot mehr backen und und und. Diese hohe Abhängigkeit von Russland und vom Gas an sich schafft Herausforderungen, die auch die Bundesregierung nicht vertagen kann. Wir haben beim Gas längst ein Verteilungsproblem, das der Markt nicht lösen kann. Was es braucht, ist zunächst einmal Transparenz. Wir stehen vor zentralen Fragen: Welche Gasmengen kann die OMV kurzfristig aus ihren eigenen norwegischen Feldern an die österreichischen Konsumenten liefern? Ab wann werden die benötigten Pipeline-Kapazitäten gebucht? Welche Flüssiggas-Kapazitäten im OMV-Terminal in Rotterdam sind für den österreichischen Markt reserviert? Und vor allem: Welcher Lageraufbau ist im Sommer geplant? Es geht also um Transparenz bei Zielmengen und Zeiträumen.

Profil

„Wir haben derzeit keinen Engpass“

28. Juni 2022, Innsbruck

Erich Entstrasser, als Tiwag-Konzernchef auch Chef der Gastochter Tigas, hält nach der Erhöhung der Gas-Alarmstufe in Deutschland den Ball flach. "Tirol hängt zwar am deutschen Gasnetz, die deutsche Gas-Alarmstufe hat für uns aber keine unmittelbaren Folgen, weil dort immer noch genügend Gas im Netz ist. Wir haben derzeit keinen Engpass, die Lieferungen über Deutschland laufen ganz normal", sagt Entstrasser.

Probleme für Tirol würden dann entstehen, wenn im deutschen Gasnetz zu wenig Gas vorhanden wäre, weil dann wegen der Druckverhältnisse gar kein Gas nach Tirol transportiert werden könnte, so Entstrasser. Doch selbst wenn Berlin die dritte und höchste Gas-Notstufe ausrufen würde, wäre dort immer noch genügend Gas im Netz vorhanden. Bei der aktuellen, zweiten Alarmstufe gehe es in Deutschland im Wesentlichen um Aufrufe, beim Gasverbrauch zu sparen. "Am Ende ist aber klar: Wenn es in Deutschland zu einer Gaskrise kommt, schwappt das zu uns", erklärt Entstrasser.

Dass Tirol mit dem deutschen und nicht mit dem österreichischen Gasnetz verbunden ist, liegt an der 21 km langen Leitungs-Lücke zwischen Hochfilzen und Saalfelden. Die Salzburg AG arbeitet derzeit daran, die Leitungen von Saalfelden nach Hochfilzen zu legen und die Lücke zu schließen. Die Fertigstellung dürfte bis 2024 dauern. Laut Entstrasser wäre der Lückenschluss eine wichtige Unterstützung für die Gasversorgung in Tirol. Die Leitung sei aber so dimensioniert, dass im Winter maximal 50 bis 60 Prozent des Tiroler Gasbedarfs durchfließen könnten. (mas)

Tiroler Tageszeitung

Kohle oder Atomkraft statt russisches Gas?

28. Juni 2022

Ist es richtig, Kohlekraftwerke zu reaktivieren? Müssen wir angesichts der Energiekrise gar unsere Scheu vor Atomkraft ablegen? Darüber diskutierten Energieministerin Leonore Gewessler, Klimaaktivistin Lena Schilling und Physiker Werner Gruber.

Putin sorgt in Europa für hektisches Treiben. Seitdem weniger Gas durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 kommt, hat die Suche nach neuen Energiequellen eingesetzt. Dabei sollen alte Kohlekraftwerke reaktiviert werden, in Österreich das Kraftwerk Mellach in der Steiermark. Auch über Atomenergie wird neu diskutiert: In Deutschland fordern CDU und FDP, die geplante Abschaltung der drei letzten Meiler Ende 2022 zu verschieben. Sind das die richtigen Ansätze? Darüber stritten die Gäste beim Videotalk „STANDARD mitreden“. Ein Auszug aus der Debatte.
Schilling: Fossile Kraftwerke sind Ausdruck eines Versagens der Politik. Wir können es uns 2022 nicht mehr leisten, auf Kohle zu setzen, auch nicht im äußersten Notfall. Das Kohlekraftwerk in Mellach kann den Energieverbrauch nur zu einem geringen Teil substituieren: Da geht es um ein Prozent des Bedarfs. Dazu kommt, dass das Kraftwerk wohl nicht so schnell in Betrieb genommen werden kann, sondern erst Mitte oder Ende des kommenden Winters. Weder das Personal noch Ressourcen sind früher verfügbar. Was ist das außerdem für eine Botschaft an die Klimabewegung und an alle jungen Menschen?

STANDARD: Was müsste also geschehen?

Schilling: Das Gebot der Stunde ist, auf erneuerbare Energien zu setzen und Energie zu sparen. Es braucht klare Regulierungen, wie der Energieverbrauch in der Papier-, Chemie- und Glasindustrie reduziert werden kann. Die Regierung sollte in die Offensive gehen, Tempo 100 auf der Autobahn verkünden, ebenso wie autofreie Sonntage.
Gewessler: Ich glaube, wir sind uns einig, wo wir hinmüssen: raus aus der Abhängigkeit von Russland. Weg von fossilen Energien, und zwar mit Effizienz und Erneuerbaren. Aber in welcher Situation sind wir aktuell? Wladimir Putin setzt Gaslieferungen als Waffe ein. Das soll Preise treiben und uns verunsichern. Dem müssen wir etwas entgegenhalten. Dazu gehört, sich auf den Ernstfall vorzubereiten, sollte Gas ganz wegbleiben, Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Das ist das Gebot der Stunde. Das heißt auch, ein Kraftwerk in einen Zustand zu versetzen, dass es 260.000 Haushalte mit Wärme und Strom versorgen kann.

Der Standard

Deutschland aktiviert Alarmstufe, Österreich noch nicht

28. Juni 2022, Berlin

Die reduzierten Gaslieferungen aus Russland über Nord Stream bringen die deutsche Regierung unter Druck.

Die stark reduzierten Lieferungen von russischem Erdgas haben die deutsche Regierung dazu veranlasst, die Alarmstufe und damit die zweite von drei Stufen im nationalen Notfallplan Gas auszurufen. Gas ist laut dem deutschen Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck „von nun an ein knappes Gut in Deutschland“. „Dies sage ich, obwohl die Versorgungssicherheit aktuell gewährleistet ist. Es sind die Versäumnisse der letzten Dekade, die uns jetzt in diese Bedrängnisse geführt haben“, sagte der Minister. Man stünde anders da, wenn man in den vergangenen Jahren bei der Energieeffizienz und beim Ausbau der erneuerbaren Energien wirklich vorangekommen wäre.

Habeck betonte, dass er Rationierungen für die Industrie nach Möglichkeit vermeiden wolle. „Das soll nicht passieren, in keinem Monat im besten Fall“, sagte der Grünen-Politiker am Donnerstag in Berlin, fügte aber hinzu: „Ich kann es natürlich nicht ausschließen, weil es so voraussetzungsreich ist, was wir tun. Aber es ist kein Szenario, auf das wir hinarbeiten – im Gegenteil.“

Alle Maßnahmen seien darauf ausgerichtet, die Marktkräfte so weit wie möglich wirksam zu halten und andere Alternativen zu schaffen. Es gehe darum, Einsparungen vorzunehmen, auf andere Energieträger auszuweichen und die Infrastruktur auszubauen, „um dieses Szenario abzuwenden“.

Konkret ist die Alarmstufe in Deutschland die Voraussetzung dafür, dass Kohlekraftwerke wieder ans Netz gehen. Sie sollen Gaskraftwerke ersetzen, die – anders als in Österreich – auch im Sommer zur Stromproduktion notwendig sind. Außerdem können die Gasversorger in der Alarmstufe ihre Mehrkosten weiterverrechnen.

Salzburger Nachrichten

Gasflaute bringt Aufwind für nachhaltige Technologien

28. Juni 2022

Energieerzeugung. Grünes Gas aus heimischer Erzeugung, Fotovoltaik aus Europa oder Know-how zur Reduzierung des Energieverbrauchs: Klimaziele und akute Versorgungsprobleme bieten Chancen für österreichische Betriebe.
Wie sich die Zeiten ändern. Vor einem guten Jahrzehnt wurde die Herstellung von Gas, Benzin, Kerosin und Wasserstoff aus Biomasse und biogenen Abfällen als die umweltfreundliche und von Importen unabhängige Zukunft gepriesen. "Österreich war Vorreiter bei der technologischen Entwicklung", erzählt Franz Kirchmeyr vom Biogas-Verband. Allerdings kamen damals Erdgas und Erdöl aus Russland zu wesentlich günstigeren Preisen durch die Pipelines. Die Folgen: Forschungsaktivitäten und Produktion des grünen Gases wurden auf ein Minimum zurückzugefahren.
Dabei könnte man rund 40 Prozent des heimischen Gasbedarfs durch Methan aus Gras, Holzabfällen, Klärschlamm und ähnlichen Materialien gewinnen, meint Kirchmeyr. Seit einigen Monaten besinnt man sich wieder auf die durchaus ergiebige Gasquelle im eigenen Land. Neben den Klimazielen ist vor allem die drohende Versorgungskrise durch einen möglichen Lieferstopp von russischem Erdgas der Grund.

Beim Zukunftsforum Gas am Dienstag etwa brach Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig eine Lanze für grünes Gas. Vertreter der Industrie forderten raschere Verfahren und entsprechende Rahmenbedingungen dafür.

Investitionssicherheit gefragt

Gäbe es Investitionssicherheit, seien auch Investoren vorhanden, meint Reinhard Koch, der vor zehn Jahren das einst weltweit beachtete Forschungsprojekt für grünes Gas in Güssing leitete. Die Aufwendungen für Errichtung und Betrieb der Grüngasproduktion — Koch schwärmt davon, dass bei jeder Kläranlage auch grünes Gas hergestellt werden sollte — würden fast zur Gänze in Österreich bleiben.

Presse